06.07.2014

14. Sonntag im Jahreskreis
Mt 11, 25-30
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Eine rabbinische Erzählung berichtet von einem Rabbi, der abends außerhalb der Stadt, zwischen den Feldern spazierte. Er wollte seine Gedanken sammeln. Da trifft er einen Wächter und fragt ihn: Für wen gehst du? Der Wächter antwortet: Ich bin von meinem Herrn beauftragt, diese Felder zu bewachen. Ich gehe für meinen Herrn.- Aber für wen gehst du?
Für wen gehst du? – das ist letztlich die Grundfrage, vor die Jesus seine Jünger damals gestellt hat – und es ist die Frage, die auch mir heute gestellt ist: Für wen gehe ich? Für welche Ziele lebe ich? Wofür lasse ich mich einspannen?
Diese Grundfrage steht auch hinter dem zweiten Teil des heutigen Evangeliums: Jesus lädt hier alle Mühseligen und Beladenen ein, zu ihm zu kommen. Und er verspricht ihnen ein Zweifaches: Er verspricht ihnen Ruhe für die Seele – aber er sagt auch: ohne Joch geht es nicht – aber mein Joch drückt nicht, es ist leicht.
Wer aber wird nun wirklich von Jesus angesprochen? Gehöre ich überhaupt dazu? Es heißt hier: „Alle, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt“. Vorangestellt ist das Wort „alle“.- Jesus grenzt hier keinen aufgrund seiner Herkunft, aufgrund seines Standes, aufgrund einer Krankheit oder einer Religion aus. Alle, die sich plagen, die Lasten zu tragen haben sind angesprochen.
Und Jesus weiß um die Mühsale der Menschen damals: Um Dinge, die Menschen blind machen für andere oder taub; um Situationen, die die Seele bedrücken. Er weiß um die Not der Armut und der Einsamkeit, um die Not von Beziehungskrisen und um die Last, wenn geliebte Menschen sterben. Er weiß auch um die Belastungen der Seele: um Depressionen, um Mutlosigkeit. Und zu alle den Menschen, die so bedrückt sind, sagt er: „Kommt alle zu mir“ – ich kann euch Ruhe, Erleichterung verschaffen.
Doch Jesus geht es nicht um einen billigen Trost. Er gibt nicht Versprechen ab, die er nicht halten kann. Denn auch wer mit ihm kommt, kommt nicht ohne Joch aus! Er sagt: „Nehmt mein Joch auf euch!“
Was aber ist ein „Joch?" Das Bild vom Joch stammt aus der bäuerlichen Kultur. Das Joch selbst ist dabei nicht die eigentliche Last – es ist ein Werkzeug, um schwere Lasten ziehen zu können; am Joch werden Pflüge, Eggen und Wägen befestigt.
Jesus sagt also nicht: Ich nehme euch alle Lasten ab, ich befreie euch von der Mühsal des Lebens, nein, er sagt: Ich gebe euch ein Werkzeug, mit dem ihr diese Lasten leichter bewältigen könnt.
Es gibt den schönen Spruch: Gott nimmt nicht die Last von uns, aber er stärkt die Schultern. Genau das sagt hier Jesus: Wenn ihr meinem Beispiel folgt, wenn ihr von mir lernt, dann ist euch die Last nicht mehr so schwer; dann habt ihr die Kraft, das Leben zu meistern.
Das Joch hat hier aber auch noch eine zweite Bedeutung: Es bezeichnet die Gesetze, an die sich die Menschen zu halten hatten. Auch die Gesetze sind ja ein Hilfsmittel, um das Zusammenleben bewältigen zu können. Jesus wendet sich in seiner ganzen Verkündigung aber gegen solche Gesetze, die nicht mehr dem Menschen dienen, seien es staatliche oder religiöse.
Unmittelbar auf diese Stelle folgen im Evangelium zwei Situationen, in denen Jesus gegen Sabbatgebote verstößt. Denn er sagt: der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat.
Jesus verspricht auch als Lohn „Ruhe für die Seele“. Es wäre zu einfach, hier sofort auf die Ruhe im ewigen Leben, auf die Ruhe bei Gott nach dem Tode zu schließen. Das mag mit gemeint sein. Aber ich glaube, Jesus hat hier etwas viel Konkreteres im Blick: Es geht ihm um die Bewältigung des Lebens hier.
Dazu sagt er: Lernt von mir, ich bin gütig und von Herzen demütig. Gütig zu sein bedeutet: Das Gute in den Menschen zu sehen. Demütig sein heißt, den Mut zum Dienen zu haben; sich von jemandem einspannen zu lassen.
Der Rabbi in der Eingangsgeschichte muß sich fragen lassen: Für wen gehst du? Oder mit anderen Worten: Wem dienst du? Wessen Joch trägst du? Denn kein Mensch kommt ohne ein Joch aus, kein Mensch lebt allein, ohne Bezüge oder Abhängigkeiten. Das Versprechen Jesu aber ist es: Mein Joch engt nicht ein, sondern befreit.
Im Hintergrund der Worte Jesu und seines Versprechens ist all das, was in den beiden Lesungen von heute ausgedrückt ist: Der Prophet Sacharja verkündet einen Friedenskönig. Von ihm heißt es: Er ist gerecht und hilft und er ist demütig. Er wird sein Volk vom Joch der Gewalt befreien. So versteht Jesus seine Sendung, als er dann in Jerusalem auf dem Esel sitzend einzieht: als einer, der Frieden bringen will, der das Joch von Haß und Gewalt und Rache von den Menschen nehmen möchte.
Jesus geht aber noch weiter. Er möchte nicht nur die Lebensbedingungen etwas verbessern, er möchte das Leben grundsätzlich erneuern. Paulus sagt es im Brief an die Römer: Er, der Christus von den Toten auferweckt hat, wird auch unseren sterblichen Leib lebendig machen. Anteil an diesem Leben haben wir bereits durch den Geist der Taufe – und dieser Geist Gottes, dieser Geist Christi macht uns nicht zu Sklaven – sagt Paulus – sondern er macht uns zu Söhnen und Töchtern Gottes, zu freien Menschen, zu Erben der Verheißungen.
Das Joch Christi auf mich zu nehmen – und wir haben es in der Taufe ja eigentlich schon erhalten – das bedeutet dann: der Maßstab meines Lebens ist nicht immer größerer Erfolg, immer mehr Macht, immer mehr Geld. Dies sind die Zwänge, die ich mir vielleicht selber oft auferlege; und es sind gerade diese Zwänge, die mich nicht zur Ruhe kommen lassen.
Der Maßstab Jesu ist ein anderer: Er benennt ihn ganz klar in seiner Bergpredigt: es ist die Liebe zu Gott und zu den Menschen, es ist die Sorge um die Menschen um mich herum, die Sorge um kranke und einsame Menschen, die Sorge um Obdachlose und Hungernde. Das ist das Joch Jesu. Stellvertretend für viele denke ich dabei an die Mühsal und das Joch, das die Pflege eines kranken Menschen mit sich bringt - und wieviel an Liebe, an Dankbarkeit oder auch an dem Gefühl, Gutes zu tun zurückkommt – da kann man erahnen, was Jesus meint, wenn er sagt: Mein Joch ist leicht und meine Last drückt nicht.
So stellt mich und uns alle das Evangelium heute vor die Entscheidung wessen Joch nehme ich auf mich? Von wem lasse ich mich einspannen? Jesus lädt ein, seinem Beispiel zu folgen und sein Versprechen an mich, seine Verheißung ist große: Du mit all deinen Sorgen, mit all deiner Mühsal, du bist mir etwas wert – nämlich mein eigenes Leben. Wenn du dich auf mich einläßt, wirst du nicht nur deine eigenen Lasten leichter tragen können – nein, du wirst auch Ruhe finden für deine Seele. Amen.

P.Paul Mühlberger SJ

13.07.2014

15. Sonntag im Jahreskreis
Mt 13,1-23
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Das erste, was ich bemerke, wenn ich die „Geschichte vom Sämann“ auf mich wirken lasse, ist eine gewisse Wehmut. Man hat den Eindruck, Jesus sei auf der Höhe seines öffentlichen Wirkens. Eine große Menschenmenge ist um ihn versammelt. Hunger, Durst und eine ganze Tagesreise haben sie in Kauf genommen, um ihn zu hören. Voller Stolz könnte Jesus sagen: „Schaut doch diese vielen Menschen! Endlich ist der Damm gebrochen. Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Und seht, es brennt – in ihren Herzen!“ Doch nichts von alldem wird gesagt. Stattdessen sieht Jesus nüchtern und sachlich, wie es weitergehen wird: Fast alles scheint umsonst gewesen zu sein.
Die einen gleichen einem festgetrampelten Weg. Schon morgen ist alles vergessen. Die anderen sind wie steiniger Boden. Sie waren Feuer und Flamme; doch es war nur ein Strohfeuer. Wieder andere sind wie Gestrüpp: Sie hören zwar; aber es gibt noch vieles andere, was sie in gleicher Weise interessiert. Es ist, als wollten sie sagen: „Man kann ja schließlich nicht nur auf einer Hochzeit tanzen!“
Jesus ist sich bewusst: „Was von meinen Worten bleibt, ist höchstens ein Zitat, ein Spruch, ein bisschen Lebensweisheit. Mehr ist es nicht.“ Das klingt ganz anders als die Worte in der heutigen Lesung, in der es heißt: „Das Wort, das meinen Mund verlässt, kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern es bewirkt, was ich will, und es erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe“:
Was Jesus mit seiner Geschichte vom Sämann sagt, ist dies: Auch das Wort Gottes kann scheitern! Wie oft machen wir als Eltern, Lehrer, Priester die gleiche Erfahrung? Selbst dem Papst ergeht es so. Nicht einmal oder viermal – hundertmal haben wir wie gegen eine Wand oder wie in den Wind geredet. Nein, ein Trost ist dieses Gleichnis nicht. Es unterstreicht nur unsere eigene Erfahrung; denn auch unsere Worte waren oft genug umsonst.
An dieser Stelle kommt mir ein seltsamer Gedanke: „Warum regt sich der Sämann so auf? Was erwartet er denn? Ist er nicht an allem selber schuld? Wer wirft schon teures Saatgut auf einen festgetrampelten Weg? Wer streut schon wertvolle Körner auf einen felsigen Boden? Wer sät schon in dorniges Gestrüpp hinein? Entweder versteht er nichts vom Säen, oder er ist blind oder gar ein Verschwender. Sollte man nicht zuerst einmal erforschen, wo es sich überhaupt lohnt, den Samen auszuwerfen? Sicherlich nur dort, wo mit einiger Gewissheit zu erwarten ist, dass etwas herauskommt.“
Doch schon bricht eine weitere Frage in mir auf: „Wie komme ich dazu, mit Sicherheit feststellen zu wollen, wo es sich lohnt? Wer bin ich eigentlich? Bin ich nicht selbst ein festgetretener Weg, ein verknöcherter und versteinerter Boden? Bin ich nicht selbst widerborstig wie ein Dornengestrüpp? Oder kann ich von mir ernsthaft behaupten, ich sei fruchtbarer Boden? Sei also ehrlich: Wer bist du selbst?“
Aber fragen wir weiter: „Könnte es nicht sein, dass dieses verschiedenen Böden allesamt in mir, in jedem von uns sind? Wie oft sind wir doch sowohl die Eingefahrenen, die Verhärteten, die mit allem möglichen Vollgestopften als auch die Fruchtbaren? Da ich dies sage, fallen mir alle ein, die ich vorhin bereits katalogisiert habe: Bei diesen und jenen lohnt es sich nicht einmal anzufangen. Könnte es nicht sein, dass sie alle sind wie ich? Menschen, die nur nach außen hin verhärtet, abweisend und kalt sind, weil sie nicht zeigen wollen, wie es in ihnen aussieht, und das deshalb, weil sie sich noch durch ein Geröllhalde von Enttäuschungen und Verbitterungen hindurcharbeiten müssen.“
Aber Jesus redet nicht nur von den verlorenen Körnern, sondern auch von denen, die auf gutes Erdreich fielen und reiche Frucht brachten. Es könnte ja auch sein, dass auch unter ungünstigsten Bedingungen noch etwas wächst, es könnte sein, dass einer den festgetrampelten Weg aufreißt, es könnte sein, dass auch auf dem steinigen Boden noch etwas keimt, es könnte sein, dass einer die Dornen, die das Wachsen zu ersticken drohen wegreißt. Ich wohne in Linz auf dem Freinberg im alten Befestigungsturm. Es ist erstaunlich, was da alles zwischen den alten Steinen herauswächst. Pflanzen, die so genügsam sind, dass sie nur ein ganz klein wenig Erde brauchen, dort, wo ein Vogel das Samenkorn hingetragen hat oder wo es der Wind hingeweht hat. Gott hat viele Möglichkeiten, seinen Samen zum Aufgehen zu bringen.
Dennoch der ernst zu nehmende Hinweis auf unsere eigene Situation. Wir sollten uns überlegen, was wir selber tun können, um das Wachsen der göttlichen Botschaft in uns möglich zu machen. Wir können die göttliche Botschaft des Evangeliums nicht einfach hören und dann wieder weglegen, sondern wir müssen nach ihr zu leben versuchen.
Wie gut ist es, dass es einen solchen Sämann gibt, der aussäht, ohne zu berechnen, bei wem es sich lohnt und bei wem es doch nur vergebliche Mühe ist. Und er geht hinaus, nicht nur einmal, sondern immer wieder. Wie gut ist es, dass Gott nie aufhört, seine Güte zu verschwenden. Um jeden Menschen ringt und wirbt er; nie gibt er auf, bis sich endlich zeigt, dass das Samenkorn, das er gesät hat auch aufgeht und Frucht bringt.

P. Paul Mühlberger SJ

20.07.2014

16. Sonntag im Jahreskreis
Mt 13,24-43
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Gutes und Böses, beides ist in unserer Welt vorhanden und täglich werden wir damit konfrontiert. Leider sind unsere Medien weit mehr interessiert, das Böse darzustellen, die Kriege, die Verbrechen und sonstige Übeltaten. Das interessiert halt die Leute mehr als die Darstellungen des Guten. Ganz deutlich merkt man das doch, wenn es um kirchliche Persönlichkeiten geht. Mit einer wahren Lust werden alle negativen Aktionen ans Licht gebracht; jedoch die getreue und selbstlose Arbeit an den Menschen wird mit keinem Wort erwähnt: der soziale und religiöse Einsatz, das liebevolle und fürsorgliche Dasein für die Alten und Kranken. Auf diese Art und Weise haben wir oft Angst, dass das Böse in der Welt überhand nimmt und stellen oft auch Gott die frage, warum er denn so gar nichts unternimmt, um dem abzuhelfen. Anscheinend war das auch ein Problem der Jünger, denn Jesus nimmt in seinem Gleichnis darauf Bezug.
Ausreißen möchten wir das Unkraut; aber bitten sie mich zum Beispiel nicht darum, in ihrem Garten Unkraut auszureißen. Denn ich verstehe davon so wenig, dass ich mit Sicherheit einige ihrer schönsten und wertvollsten Blumen mit ausreißen würde. Es wäre schade darum.
Es fällt mir und ihnen allerdings auch nicht schwer, auf solche Gartenarbeit zu verzichten. Wir sind in vielen Bereichen ausreißlustig. Wenn es um politische Streitfragen geht, um kirchliche Positionen und Entscheidungen, um Fragen des christlichen und persönlichen Lebensstils, ja sogar um unsere eigenen Grenzen und Fehler – dann nutzen wir gern und schnell unsere manchmal spitzen Zungen. Und dabei ist es ziemlich egal, ob wir das öffentlich, im Freundeskreis oder ganz für uns im stillen Kämmerlein tun: Immer geht es darum zu urteilen, zu verurteilen, andere abzuqualifizieren, am Wachstum zu hindern, in Schubladen zu stecken.
Dabei ist es uns ja durchaus klar, dass – ähnlich wie beim Gartenunkraut – auch in diesen Bereichen unser Blick eingeschränkt ist, dass uns die Weite fehlt, den anderen wirklich gerecht zu werden, sie in ihrem Wert zu sehen und zu achten. Und trotzdem, es fällt uns schwer, das Jäten, das Ausreißen zu unterlassen.
Es tröstet uns allerdings die Feststellung, dass wir mit unserer Jätelust nicht allein sind. Sie ist verbreitet in unserer Gesellschaft, in unserer Kirche, in unserer Gemeinde. Ständig sind wir dabei, zu urteilen, zu ordnen, zu beschneiden. Warum nur? Was steckt hinter dieser Jätelust, diesem Ordnungswahn? Sie haben, so scheint mir, zwei Wurzeln: unsere Angst und unsere Vorstellung von Stärke.
Die Angst, in meiner Eigenart unterzugehen, wenn ich die, die anders sind, wachsen lasse. Die Angst, mein Leben sei weniger wert, wenn ich den Wert der anderen achte. Die Angst, meine Fähigkeiten würden verblassen, nicht mehr so beachtet, wenn andere ihre ganz anderen Fähigkeiten entfalten. Die Angst, ich würde kleiner, wenn ich die anderen groß sein lasse. Diese Angst, und die sitzt tief, gibt meinem Jäten die Kraft. Sie ist der Motor all unserer oft zerstörerischen Konkurrenzen.
Und dann ist da noch unsere Phantasie, die Fähigkeit, alles im Griff zu haben, wird als ein Zeichen von Stärke angesehen. Wer scharf urteilen kann, wer Klarheit und Ordnung schafft, wer genau weiß, was gut und was schlecht, was richtig und was falsch ist – der, so glauben wir, der zeigt wahre Größe. Kein Wunder, dass diese Phantasie uns dazu treibt, es selbst auch zu versuchen mit dem Jäten, dem unbarmherzigen Ordnung schaffen.
Ich darf an dieser Stelle noch einmal einen Satz aus der heutigen Lesung aus dem Buche der Weisheit zitieren, wo es von Gott heißt: „Weil du über Stärke verfügst, richtest du in Milde und behandelst uns mit großer Nachsicht.“ Dieser überraschende, für unsere Ohren fast widersprüchliche Satz öffnet eine befreiende Perspektive: Gott hat es nicht nötig, seine Stärke dadurch zu beweisen, dass er mit Gewalt Ordnung schafft in dieser Welt. Gott hat offenbar nicht die Angst, unterzugehen in der Vielfalt und Widersprüchlichkeit dieser Welt. Und deshalb besitzt er die Weite, auf das Jäten zu verzichten. Er hat die Geduld, bis zur Ernte wachsen zu lassen. Er schaut zu, was sich aus unseren Anfängen entwickelt, auch auf die Gefahr hin, dass nicht nur Gutes dabei herauskommt. Er hofft inständig darauf, dass dieses Wachsen Frucht bringt, dass wir einander stützen, bereichern und ergänzen. In ihrer ganzen Buntheit und Rätselhaftigkeit sieht Gott die Güte seiner Schöpfung. Und er wird seine Macht nutzen, alles, was sich wirklich als gut erwies, zu erhalten, alles, was grausam zugrunde ging, zu retten.
Gutes und Böses im Miteinander. Hier erfahren wir aber einen Gott, der aus der Fülle seiner Macht heraus großzügig sein kann. Nebenbei lässt er dem Menschen seinen freien Willen, der sich auch gegen Gott stellen kann. Großzügigkeit darf allerdings nicht verwechselt werden mit Gleichgültigkeit. Gott sieht das falsche Verhalten von uns Menschen, aber er kann es mit Nachsicht behandeln. Er kann unsere Schwächen und Fehler verzeihen, obwohl sie seinem Willen widersprechen. Er kann unsere Dummheiten und Fehltritte vergeben, obwohl er sie nicht billigt. Er kann uns von unseren Sünden lossprechen, obwohl sie gegen seine Gebote geschehen sind. Diese Sicht von Gott nimmt uns auch die Angst vor ihm. Gott möchte den Menschen keine Angst machen. Er könnte es, aber er tut es nicht, weil er seine Geschöpfe liebt, auch die, die sich gegen ihn stellen. Es hat in der Geschichte der Kirche Zeiten gegeben, in denen die Angst vor Gott den Menschen eingeimpft worden ist. Schon kleinen Kindern hat man mit einem Gott gedroht, der jedes noch so kleine Vergehen, jede Sünde unnachgiebig bestraft. Jeder Schritt des Menschen würde von Gott beobachtet, jedes Wort und jede Tat würden von ihm geprüft, ob sie seinen Geboten entsprechen. Sollte dies nicht der Fall sein, würde Gott streng richten und den Sünder züchtigen. Die Folge dieser Darstellung ist, dass Menschen in ständiger Angst vor Gott leben und vor lauter Angst unfrei und gehemmt werden.
Der böse Feind kommt und sät Unkraut auf das Feld, sät Unkraut in unser Leben. Und wenn wir in unser Leben hineinschauen, dann finden wir immer wieder beides: das Gute und das Böse, das Böse, an dem wir selber schuld tragen und das Böse in das wir hineingestellt sind, an dem wir keine persönliche Schuld haben. Ich stelle mir oft die heikle Frage, welchen Sinn auch die eigenen verkehrten Wege, die eigene Schuld haben kann. Der große Kirchenlehrer Augustinus, dessen Leben in seiner Jugendzeit sehr von Schuld beladen war spricht von der „glücklichen Schuld, die uns einen solchen Erlöser beschert hat“. Diesen Text hören wir jedes Jahr in der Liturgie zum Karsamstag.
Ja, es stimmt, die Erlösung, der uns suchende Gott, findet immer einen Ansatzpunkt in unserem Leben, auch wenn wir schuldig werden. Kann uns die Erkenntnis unserer Schuld nicht erst recht in die Arme des liebenden Gottes treiben, kann uns die Erkenntnis unserer Schuld nicht erst recht dazu bringen, dass wir unsere Hände öffnen und sie dem schenkenden Gott entgegen strecken. Bei aller Tragik unserer menschlichen Schuld sollen wir immer wieder an den liebenden Gott denken und wir sollten nicht verzagen wenn wir in unserer Welt sowohl den Weizen als auch das Unkraut nebeneinander wachsen sehen. Statt die Unheilssituation zu beklagen sollten wir darauf achten, dass durch unser Leben das Gute sich mehren kann in unserer Welt und Zeit. Letztlich wird der Gott der Ernte dem Guten zum endgültigen Sieg verhelfen und mit dem Bösen ins Gericht gehen. Und dazu gibt es ja im heutigen Evangelium sehr harte und eindeutige Worte. Aufgrund dieser Aussagen wäre es nicht angebracht, das Böse zu bagatellisieren und so zu denken, dass letztlich alles wieder gut wird. Das Böse bleibt böse und das Gute bleibt gut. Möge Gott mit uns und mit unserer Welt die Geduld nicht verlieren und möge er uns immer mehr aus der Umklammerung des Bösen herausführen. Amen.

P. Paul Mühlberger SJ

27.07.2014

17. Sonntag im Jahreskreis
Mt 13 44-52
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Welche Phantasien ruft das Evangelium in uns wach? Was verbinden wir mit „Schatz“ und „Perle“? Was wäre, wenn ich im Lotto gewinnen würde, wenn mir die berühmte Fee mit den drei Wünschen erscheinen würde, wenn ich mich auf den bloßen Wunsch hin an den Ort meiner Sehnsucht versetzen könnte, wenn ich die Fähigkeit hätte, eine Krankheit abzuschaffen? Das aber ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist die Frage: Was würde ich dann tun? Die Antwort auf diese Frage ist von vielen Faktoren abhängig: Da sind die Umstände, da ist die Zeit, das ist das Alter. Kleine Kinder haben Wünsche, Jugendliche, Erwachsene und natürlich auch alte Menschen. Immer aber zeigen die Wünsche und Phantasien, was mir etwas wert ist. Was würde ich einsetzen, um den Acker in meinen Besitz zu bekommen? Was wäre mir die kostbare Perle wert? Wie weit würde ich mitgehen auf einer Auktion, wieviel würde ich bieten, um das zu bekommen, wonach mir das Herz steht? Genug der Fragen, die ja nichts anderes wollen, als eine Antwort – nämlich genau meine – zu provozieren.
Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz im Acker, wie mit einer kostbaren Perle, sagt Jesus in dieser vorletzten von sieben Parabeln im 13. Kapitel des Matthäusevangeliums. Voraus geht das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen mit dem Rat, beides wachsen zu lassen bis zur Ernte. Wer also den Acker unbedingt haben will, der muß ihn auch mit dem Unkraut nehmen. Das Himmelreich, der Schatz, ist offenbar nicht nur unter fruchtbaren Weizenfeldern verborgen, sondern auch unter Unkraut.
Das nachfolgende Gleichnis vom Fischernetz und der Trennung der guten von den schlechten Fischen verweist auf das Ende der Welt. Hier wird die Trennung den Engeln vorbehalten. Die echte Perle von den vielleicht sehr glänzenden Imitaten zu unterscheiden, traut Jesus uns selbst zu.
Es sind zwei interessante Gleichnisse, die ein Bibelwissenschaftler auch die „Zwillinge“ genannt hat. Sie verbinden das Glück dessen, der mehr zufällig „findet“, mit der Absicht dessen, der ganz gezielt „sucht“. So extrem die Beispiele auch sind, in einem Punkt treffen sie sich; beide – der eine wird nicht näher beschrieben, vielleicht ist er ein armer Schlucker, der andere ist ein Kaufmann – müssen alles investieren, was sie besitzen. Für beide ist das Glück der seltene Gast, das Zufällige, uns Zu-Fallende, die Gelegenheit, die sich nur einige Male, vielleicht nur einmal bietet. Der eine findet es sozusagen nebenbei, beim Graben auf dem Acker, unter dem Unkraut. Für den anderen war Suchen und Finden zum Lebensinhalt geworden, es war sein Geschäft. Trotzdem sind beide überrascht, dass es offenbar doch gibt, wonach jeder in der Tiefe seines Herzens sucht: das Glück, den Schatz und die Perle. Diese Gewißheit aus dem Munde Jesu könnte uns schon genügen: Es gibt für jeden Menschen, wonach er sucht. Damit aber nicht genug. Jesus hilft uns zu entdecken, wonach wir in der Tiefe unseres Herzens suchen. Bei Matthäus heißt es Himmelreich oder Reich Gottes. Mit den Gleichnissen vom Himmelreich, mit seiner Rede von Gott, will Jesus seine Zuhörer – das sind heute wir – zu einer Entscheidung bewegen. Unsere Aufgabe ist es, das Gemeinte hinter dem Erzählten zu entdecken, die Botschaft herauszuhören.
Jesus redet oft über das Himmelreich. Er verkündet das, was Gott wichtig ist. Das ist nicht immer das, was die Menschen wollen, was für die Menschen wichtig ist. Zurzeit Jesu wollten viele seiner Zuhörer lediglich vom römischen Joch befreit werden. Das allein war aber nicht der Auftrag Jesu. Auch hierbei ging es ihm um das, was dahinter liegt, worauf es letztlich ankommt. Die menschlichen Phantasien gehen zweifellos in die richtige Richtung, dann aber greifen sie zu kurz. Wenn wir im Letzten nach Gott suchen, wie Jesus sagt, dann werden wir mit nichts anderem, Vorletztem, zufrieden sein. Diese Erfahrung hat der hl. Augustinus so ausgedrückt: Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Gott.
Mit Gott ist es also wie mit einem Schatz im Acker und mit einer kostbaren Perle. Gott läßt sich suchen. Gott ist zu finden. Gott ist zu finden wie ein Schatz im Acker, also bei der alltäglichen Arbeit, die sehr vordergründig sein und an der Oberfläche bleiben kann. Nichts aber ist so vordergründig, dass es keinen Hintergrund hätte, und nichts ist so oberflächlich, dass es ohne Tiefe auskommen könnte. Gott ist zu finden. Jedes Telefon hat zwei Enden, eines zu Reden und eines zum Hören. Wo nicht mehr gehört wird, verliert auch die Sprache ihren Sinn.
Gott läßt sich suchen wie eine wertvolle Perle. Wo aber der Alltag genügt, wo das Banale alles erfüllt, wo die Imitation genügt, dort ist kein Platz für das Außergewöhnliche und Echte. Wer sich wirklich schmücken und nicht nur blenden will, der kennt den Preis und bezahlt ihn auch.
Und noch etwas lehrt uns Jesus in diesem Zwillingsgleichnis. Bei dem Mann auf dem Feld ist es die Freude, die ihn alles verkaufen läßt, bei dem Kaufmann ist es die Kenntnis und die Fähigkeit, unterscheiden zu können. Gott ist nicht der religiöse Lebenszusatz, sondern das Leben selbst. Wer das Leben sucht, der darf sich von Angst, von Arbeit, von Schweiß und von Rückschlägen nicht schrecken lassen, der darf den Tod nicht fürchten; denn erst hinter alledem liegt das verborgen, was wirklich „Leben“ ist, wie ein Schatz im Acker und wie eine kostbare Perle, deren Wert nur der Kenner erkennt und zu schätzen weiß.
Das Reich Gottes erspart uns nicht den Finanzminister oder den Arzt, es verweist uns auf das, worum es letztlich geht. Das Reich Gottes erfüllt alle menschlichen Erwartungen, wird aber nicht durch sie begrenzt. Es braucht unseren guten Willen, hängt aber – Gott sei Dank – nicht davon ab. Leben wir mit allen Sinnen, offen für Suchen und Finden. Lassen wir uns von der Freude „verführen“ und nicht vom Preis erschrecken, denn es geht um nichts Geringeres als um Gott selbst – und es geht um uns. Amen.

P. Paul Mühlberger SJ

03.08.2014

18. Sonntag im Jahreskreis
Mt 14, 13-21
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Was ist das, was die Bibel hier „Wunder nennt“? Viele Deutungen stehen im Raum. Da gibt es den ungebrochenen Wunderglauben. Da werden Auslegungen weitergegeben, indem sie den Herrn die erschöpften Zuhörer zum Teilen des mitgebrachten Essensvorrats bewegen lassen. Da wollen andere nichts weiter sehen als eine zur Jesus-Erzählung gewordene Aussage über das Herrenmahl der frühen Gemeinden.
Der ungebrochene Wunderglaube hat keine Konjunktur. Wer nimmt es uns schon ab, dass aus fünf Broten und zwei Fischen Speise für Tausende wird? Es gehört zum Wunder einfach dazu, nicht erklärbar zu sein. Wir Menschen gehen doch immer wieder von der Annahme aus, es müsse auch im Handeln Gottes für uns immer alles klar und einsichtig sein. Wir engen Gott immer wieder ein in unsere kleinen menschlichen Vorstellungen und Möglichkeiten.
Etwas scheint mir aber doch aus dem heutigen Evangelium und auch aus vielen anderen Wundern Jesu heraus sehr deutlich zu werden: die Wunder Gottes bedürfen unserer menschlichen Voraussetzung, sie geschehen nicht im luftleeren Raum. Die Jünger brauchen die hungrigen und müden Menschen nicht einfach wegzuschicken, sie können selber dafür sorgen, dass diese etwas zum Essen bekommen. Fünf Brote und zwei Fische – das ist das, was sie vorfinden. Verschwindend wenig für die vielen Menschen, die gespeist werden wollen. Jesus lässt sich die Brote und Fische geben und jetzt erst geschieht das Wunder.
Wenn Wunder auch in unserem Leben geschehen sollen, dann bedarf es unserer, wenn auch noch so geringen Vorausleistung. Auch Glaube und Vertrauen sind solche Voraussetzungen für die Wunder Gottes. Es heißt ja immer wieder bei den Heilungen, die Jesus gewirkt hat: Gehe hin, dein Glaube hat dir geholfen.
Aber würden wir nur auf das schauen, was in der Geschichte von der „wunderbaren Brotvermehrung“ äußerlich passiert, dann hätten auch wir diese Geschichte alsbald missverstanden. Die Juden der damaligen Zeit wollten Jesus nach seiner Wundertat zum König machen. Uns könnte der Gedanke kommen: „Ein solches Wunder wäre eine gute Möglichkeit, den Hunger in der Welt schnell und vor allem billig zu bannen: ein Brot und alle würden satt.“ Doch das kann nicht alles sein, was uns diese Erzählung sagen möchte – sosehr der Hunger nach Brot oder einer Schale Reis der elementarste Schrei auf unserer Erde ist.
Ich sage dies, weil wir über den Hunger des Leibes gerade hierzulande nicht den Hunger der Seele übersehen dürfen, den Hunger nach einem Zuhause, nach Geborgenheit, nach Verständnis, nach Verzeihen und Versöhnung, den Hunger nach einem Menschen, der für uns da ist, der mit uns nicht etwas, sondern sich selbst teilt.
Ich denke da immer an Menschen in einem Krankenhaus oder in einem Seniorenheim oder an Menschen, die allein sind und keine Ansprache haben. Wie oft höre ich die Klage vieler alter Menschen, die sagen: Meine Kinder haben keine Zeit mehr für mich, kein Besuch, keine Karte aus dem Urlaub. An Brot fehlt es ihnen nicht. Selbst die Schwächsten unter ihnen brauchen nicht zu hungern. Aber es fehlt ihnen etwas anderes. Wenn ich sie begrüße und ihnen sage: „Ich habe meine Uhr verloren; daher habe ich eine Menge Zeit für Sie!“, dann lächeln sie. Ich möchte damit sagen: Wen ich mit einigen auf dem Gelände auf- und abgehe oder mit anderen zusammensitze, sie erzählen lasse und ihnen zuhöre, dann wäre für die alten Menschen dies „das Wunder von der Brotvermehrung“. Hier zeigt sich: Was damals geschah, dann kann auch heute geschehen – nur anders.
An dieser Stelle kommt mir ein Wort Jesu in den Sinn, dass uns der Evangelist Johannes überliefert hat. Dieses Wort kann uns helfen, das Wunder tiefer zu verstehen und Missverständnissen vorzubeugen. Jesus sagte: „Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt“: Für andere dazusein, sich ihnen zu schenken, das betrachtet Jesus als seinen Auftrag. Darin sieht er den Sinn seines Menschseins. Daher dürfte unsere Frage nicht lauten: „Wie kann sich das Brotwunder von damals heute wiederholen?“ Wir müssen uns vielmehr fragen: „Inwieweit will ich Brot für die anderen sein?“
Vielleicht lässt uns diese Frage ein wenig erschrecken; denn „Brot für die anderen“ zu sein, das kann zuweilen heroische Ausmaße annehmen. Man denke nur an die Heiligen der Nächstenliebe. Doch in der Regel ist es die Alltäglichkeit unseres Lebens, die uns dazu herausfordert. Die Menschen um uns hungern nach einem freundlichen Gruß, nach einem Anruf, nach einer Aufmunterung, nach einem Lob oder einem kleinen Zeichen der Dankbarkeit. Selbst diese kleinen Wunder geschehen viel zu selten. Vielleicht sind zu viele der Meinung, der Mangel an Tadel sei Lob genug. Doch ist es nicht der Vitaminmangel an Lob und Dank, an dem immer wieder menschliche Beziehungen und Verbindungen zerbrechen? Auch sollten wir nicht übersehen: bei den Überlegungen hinsichtlich der Berufswahl spielt der Wunsch, Brot für die anderen zu sein, kaum noch eine Rolle.
Er ergibt sich nunmehr die Einsicht, dass auch wir zu Trägern der Wunder Gottes bei anderen Menschen werden können. Durch uns, durch einen jeden von uns beginnt Gott zu wirken. Das ist ein Geheimnis, das uns mit Freude aber auch mit einer großen Verantwortung erfüllen sollte. Erforderlich ist immer wieder unser Weitblick, dass wir von uns selber immer wieder absehen können und die Bedürfnisse und Nöte der Menschen in unser Tun und Beten hineinnehmen.
Jesus möchte Brot, Dienst und Hingabe miteinander verbinden. Andernfalls wird das Brot zur Abspeisung. Aber Abspeisung stillt den eigentlichen Hunger nicht, den Hunger der Kinder, der jungen und der alten Menschen, der Kranken und er Behinderten. Gewiss sind es nicht wenige, die gerade in einer Überflussgesellschaft an solchem Hunger sterben.
So haben wir immer die Möglichkeit, im Sinne Jesu das Wunder zu wirken, Brot für andere zu sein; denn was damals ging, ist auch heute möglich. Amen.

P. Paul Mühlberger SJ

19. Sonntag im Jahreskreis
Mt 14,22-33
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Im Urlaub zieht es viele Menschen an einen See oder ans Meer. In der Sonne liegen, baden, eventuell segeln oder surfen und die Seele baumeln lassen, ist für sie Inbegriff der Erholung. Wer jedoch einmal eine stürmische See erlebt hat, kennt auch die andere Seite: Wellengang, Sturm und Gegenwind werden zum Inbegriff der Unsicherheit und des Ausgesetztseins. Sieht man sich im gegenwärtigen Weltgeschehen um, herrscht wenig Sonnenschein. Eher beobachten wir beängstigenden Wellengang: Die Kämpfe in der Ostukraine, das Kräftemessen prowestlicher und prorussischer Interessen am Rande der EU, die Kriege in Syrien, im Irak, in Israel, in Libyen und nicht zu vergessen in Nigeria. Die vielen Spannungen erinnern an die Situation vor hundert Jahren, die zum Ersten Weltkrieg geführt haben. Mit wachsender Sorge beobachten wir das Ansteigen der Migrationswellen: Menschen flüchten vor Kriegen und erhoffen sich Hilfe vom reichen Westen. Andere kommen in der Hoffnung, bei uns Arbeit und eine gesicherte Existenz zu finden. Innerkirchlich ist Ruhe eingekehrt, nicht zuletzt durch das mutige Auftreten Papst Franziskus'. Ist es nur Ruhe vor dem Sturm? Eine Reihe von Problemen steht zur Lösung an: Mit Fragen der Ehe, der Familien und der Lebensformen wird sich eine angekündigte weltweite Bischofssynode befassen. Der Mangel an Priestern und Seelsorgern wird sich nicht allein mit strukturellen Maßnahmen lösen lassen. Wie immer die einzelnen Spannungsfelder gelöst werden, ich kann mir nicht vorstellen, dass nicht so oder so die Wellen hochgehen.
Von einer faszinierenden Kraft getragen
Im Evangelium hörten wir eine Episode aus dem Leben der Jünger, die in der Nacht mit Wind und Wellen auf dem See Genesareth zu kämpfen hatten. Es ist ein Bild für die persönlichen Nöte und Existenzängste, die jeder einzelne zu bestehen hatte, aber auch für das Hin- und Hergeworfenwerden der jungen Kirche zu der Zeit, als die Evangelisten diese Erzählung niedergeschrieben haben. Verfolgung, Vertreibung und sogar Hinrichtungen waren Teil ihres Lebens. Jesus schreitet über diese Wellen hinweg und wird von einer Kraft getragen, die menschlich nicht erklärbar ist. So wie er möchten auch die Jünger über die Wellen ihres Lebens hinweg ihren Weg gehen können. Jesus fordert Petrus auf, es ihm gleich zu tun. Mutig setzt er Schritte ins Bodenlose und erlebt diese tragende Kraft, von der er fasziniert war. Doch dann kommen die Zweifel. Er beginnt zu überlegen, wie eben Menschen denken, und beginnt unterzugehen. Das "Herr, rette mich!" entfährt ihm, als er keine andere Möglichkeit zu überleben mehr sieht. Erst in der äußersten Zuspitzung der Bedrohung wird sein Vertrauen auf den Herrn wieder tragfähig.
Was muss passieren, dass wir an den Punkt kommen, an dem auch wir rufen "Herr, rette uns!"? Viele Menschen entdecken Gott erst, wenn sie völlig in die Enge getrieben sind. Vorher bauen sie lieber auf ihr eigenes Können und ihre eigene Kraft. Das "Komm!", das Jesus zu Petrus gesagt hat, seine Aufforderung, aus dem Vertrauen auf Gott heraus im Sturm auf den Wellen des Lebens zu gehen, gilt auch uns. Gott trägt uns nicht nur, wenn es keine andere Rettung mehr gibt. Er trägt und hält uns in allen Situationen des Lebens. Die Erzählung vom Seesturm zeigt uns auch, wie wir zu solchem tragfähigen Vertrauen kommen können. Es braucht dazu mehr als den waghalsigen ersten Schritt des Petrus. Jesus hat die Nacht im Gebet verbracht, im innigen Austausch mit Gott. Wer sich rückhaltlos auf Gott einlässt, wird aus diesem Umgang mit Gott als anderer hervorgehen. In ihm beginnt dieses Vertrauen zu wachsen. Zugleich werden ihn oder sie die Vorgänge in der Welt mit ihren brodelnden Krisenherden nicht gleichgültig lassen. Er oder sie wird politisch, sozial und gesellschaftlich interessiert an der Lösung der Probleme mitwirken und alle Menschenfurcht ablegen, weil er oder sie sich mit Gott verbunden weiß. Ein prominentes Beispiel solchen Vertrauens ist für mich Papst Franziskus. Er setzt mutig neue und in diesem Amt ungewohnte Schritte. Er tut es nicht aus menschlichen Überlegungen, sondern ist von einem Gottvertrauen getragen, das sein tiefes Fundament erkennen lässt. Es genügt jedoch nicht, Beobachter oder Bewunderer zu bleiben. Wir haben die Chance, Nachahmer zu werden, wenn wir wie Jesus immer wieder die persönliche Begegnung mit Gott suchen und uns in das Vertrauen auf ihn einüben.
Wer sich einem anderen restlos anvertraut, gibt sich selbst ganz aus der Hand und überlässt sich und sein weiteres Schicksal dem andern. Dabei kann man nicht voraussagen, was aus einem selber wird. Nicht im Voraus, sondern nur im Nachhinein lässt sich feststellen, ob uns die vertrauensvolle Übergabe zum Glück oder zum Unglück gereichte. Aus diesem Grund suchen wir, durch Erfahrung herauszufinden, wem wir in welchem Ausmaß vertrauen dürfen. Wir sammeln Zeichen und Hinweise, die es uns erleichtern, den andern als vertrauenswürdig zu erkennen. So verringern wir das Wagnis unseres Vertrauens.
Jedenfalls sind die Menschen, denen wir uns vorbehaltlos überlassen sehr wenige. Wir wählen sorgfältig aus. Beispielsweise den Chirurgen, der eine risikoreiche Operation vornehmen muss. Oder den Labenspartner, an den wir uns durch gesunde und kranke, gute und böse Tage hindurch bis zum Tod binden. Wir setzen also unser bisheriges Leben aufs Spiel, damit es gesünder, erfüllter und beglückender wird; denn die Dinge, die unser Leben in Wirklichkeit bereichern, werden uns nur in vertrauensvoller Hingabe zuteil. Im Gegensatz zu unserer Geschichte geht es hier nicht nur um eine Belanglosigkeit, die nichts anderes als ein sensationelles Erlebnis zur Folge hat. Es geht vielmehr um eine große Verheißung, auf die hin wir im Vertrauen auf eine bestimmte Person alles wagen.
An diesem Punkt müssen wir nun sagen: Keiner fordert unser Vertrauen so sehr heraus wie Jesus Christus. Er bietet uns ein Leben an, das den Tod überdauert. Weil es hier um ein völlig neues Leben geht, kommt alles darauf an, dass der Mensch im Vertrauen auf ihn und sein Wort sein altes Leben verlässt, indem er aus dem Land seiner bisherigen Vorstellungen, Gesinnungen und Träume, Wünsche und Gewohnheiten auszieht und nicht mehr aus sich selbst, sondern aus Gott lebt. Solange wir auf unseren eigenen Wegen gehen, bewegen wir uns im Kreis und kehren immer zu uns selbst zurück. Erst wenn wir uns und unser ganzes Leben rückhaltlos Gott und seiner Führung überantworten, öffnet sich uns eine völlig neue Zukunft, in die uns Jesus Christus führt.
Sein Leben hatte zu allen Zeiten viele Bewunderer. Nicht wenige von ihnen blieben jedoch mit ihrer Bewunderung im Gegenüber und setzten auf den ihnen gewohnten Wege ihr altes Leben fort. Der von ihnen Bewunderte bedeutete für sie keine Veränderung ihres Daseins. Daher weist Sören Kierkegaard darauf hin, dass Jesus keine Bewunderer haben will. Vielmehr gehe es ihm darum, Nachfolger zu gewinnen. Auf die Frage, was denn der Unterschied zwischen einem Bewunderer und einem Nachfolger sei, antwortet er: „Ein Nachfolger ist oder strebt an, das zu sein, was er bewundert. Ein Bewunderer hält sich für seine Person aus dem Spiel; bewust oder unbewusst: er entdeckt nicht, dass das Bewunderte eine Forderung an ihn enthält, nämlich die, das Bewunderte zu sein oder doch danach zu streben, es zu sein.“
Ein gläubiger Nachfolger, der immer wieder herausspürt, dass das Bewunderte eine Aufforderung enthält, ist Simon Petrus. Als der Herr in der Nacht über den See geht und seine Jünger vor Angst erschrecken, ruft Jesus ihnen zu: „Habt Vertrauen; ich bin es, habt keine Angst!“ Weil man dort, wo Jesus ist, in der Tat keine Angst zu haben braucht und deshalb alles wagen kann, sagt Petrus: „Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme.“
Das Wort Jesu: „Komm!“ bewirkt, dass Petrus alles, was ihn von der Hinwendung zu Jesus abhalten könnte, bedeutungslos wird: die hin- und hergeworfenen Wellen, der Gegenwind, die nächtliche Dunkelheit und selbst die Tiefe des Sees. Nur noch Jesus hat er vor Augen. Deshalb verlässt er die Sicherheit es Bootes und geht ihm entgegen. Erst als er ihn aus den Augen verliert und bemerkt, wie heftig der Wind und der Wellengang sind, beginnt er zu sinken. Dabei wird sein innerlich kleiner werdender Glaube äußerlich sichtbar in seiner der immer kleiner werdenden Gestalt. Der kleingläubig Gewordene wird auf einmal vom Verlangen nach menschlicher Sicherheit überfallen und überlässt sich nicht mehr der Allmacht des Herrn.
Wer sich im gläubigen Vertrauen auf den Weg zu Jesus begibt, der muss sich entscheiden, seine menschlichen Sicherheiten zu verlassen. Eine solche Entscheidung kann jedoch wegen der Bewegtheit des Lebens nie ein für allemal sein. Sie muss vielmehr angesichts neuer Schwierigkeiten, vor denen wir resignieren und davonlaufen möchten, immer wieder neu getroffen werden. Wo dies geschieht, da wird der Christ zu einem wahren Nachfolger, der stirbt und lebt. Das ist gemeint, wenn wir sagen, unsere Hinwendung zu Jesus hat für unser Leben Folgen, die nicht vorauszusehen sind. Sie baut unser Leben um, so da kein Stein mehr auf dem anderen bleibt. Amen.

P. Paul Mühlberger SJ

17.08.2014

20. Sonntag im Jahreskreis
Mt 15, 21-28 __________________________________________________________________________



In immer neuen Bildern erzählt die Heilige Schrift von Menschen, die glauben. Dabei spüren wir, dass in ihnen etwas Ungewöhnliches vor sich geht. Sie setzen alles ein, wenn sie Jesus begegnen. Das sehen wir an dieser kanaanäischen Frau. Nachdem sie Jesus die Heilung ihrer kranken Tochter förmlich abgerungen hatte, sagte dieser zu ihr: „Dein Glaube ist groß!“ Bei diesem Wort werden wir ein wenig nachdenklich: Könnte Jesus das auch von unserem Glauben sagen? Bevor wir aber darauf eine Antwort zu geben versuche, wollen wir einmal die frage stellen: Wann ist ein Glaube groß?
Vergegenwärtigen wir uns zunächst die Szene, die sich zwischen der Frau und Jesus abspielt. Die Frau ist eine Kanaanäerin, also eine Heidin. Sie gehört nicht zu jenem Volk, zu dem sich Jesus gesandt weiß. Doch das hindert sie nicht daran, Jesus aufzusuchen und ihn um die Heilung ihrer Tochter zu bitten. Man hat den Eindruck, diese Tochter sei ihr einziges Kind gewesen. Wie viele Zauberer und Ärzte mögen ihre Heilkunst an ihm bereits ausprobiert haben? In Jesus glaubt sie nun einen Arzt gefunden zu haben, der ihr wirklich helfen kann. Zudem bewegt diese Heidin die feste Zuversicht, Jesus sei nicht nur für Israel, sondern auf für sie Rettung und Heil.
Umso verwunderlicher ist es, dass Jesus ihr mit keinem Wort entgegenkommt. Er, von dem sie sich alles versprach, gibt ihr keine Antwort. Zu recht wollen wir wissen: Warum verhält er sich so dieser leidgeprüften Frau gegenüber? Möchte er mit jenen jüdischen Zauberern, die damals im ganzen Orient berühmt waren, nicht verwechselt werden? Will er ihr Vertrauen prüfen? Oder ist er so einfach nicht zu haben? Die Frau irritiert allerdings nicht im Geringsten, dass Jesus ihr keine Beachtung schenkt. Sie gibt nicht auf. Hier haben wir das erste Kennzeichen ihres großen Glaubens.
Da sie den Jüngern mit ihrer Lautstärke auf die Nerven geht, mischen diese sich ein. Um sie loszuwerden, machen sie sich zu ihrem Fürsprecher. Sie bitten Jesus, dieser Frau, die keine Ruhe gibt, entgegenzukommen. „Befreie sie von ihrer Sorge, denn sie schreit hinter uns her!“ Da unterbricht Jesus sein Schweigen mit dem Hinweis, dass er für sie nicht zuständig ist und aus diesem Grund mit ihr nichts zu tun hat. Deutlich ist die ganze Schwere zu vernehmen, die aus seinem Nein spricht. Fast stoßen wir uns daran. Entschlossener kann man eine Bitte nicht zurückweisen. Wiederum kommen Fragen in uns hoch: Ist das noch der uns vertraute menschenfreundliche Jesus, der sich zum Ärger vieler Frommen selbst den Zöllnern und Dirnen zuwendet?
Selbst durch dieses abweisende Wort Jesus ist die Frau in ihrem Glauben nicht kleinzukriegen. Diese Entschiedenheit ist ein weiteres Kennzeichen ihres großen Glaubens. Sie weiß, dass sie als eine Fremde keinen Anspruch auf sein machtvolles Wirken hat. Daher wirft sie sich in ihrer Bedürftigkeit und Angewiesenheit vor ihm auf die Knie und legt ihrer ganze Lebenskraft in den Hilferuf: „Herr, hilf mir!“ Sie setzt allein auf ihn.
Die folgende Antwort Jesu ist für die Frau nicht gerade eine Ermutigung. Sie bedeutet das dritte Nein, das Jesus ihr gibt: „Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen.“ Die „Kinder“, das ist Israel, kommen zuerst; die „Hunde“, das sind die Heiden. Langsam könnte man beim Lesen dieser Stelle ein wenig irrewerden an der Härte mit der Jesus diese arme Frau abweist. Jedoch, diese Frau gibt noch immer nicht auf. Das Größte am Glauben dieser Frau ist, dass sie sagt: „Ja, Herr!“ Damit stellt sie sich unter sein Urteil. Wie viele Gläubige vermögen das zu sagen: „Ja, Herr!“ Halten wir nicht dagegen, indem wir sagen: „Wie kann Gott das zulassen?“ Oder: „Wie ungerecht ist Gott, wenn es überhaupt einen Gott gibt!“ Oder: „Wie lange noch mutet uns Gott das zu?“
Die Mutterliebe dieser Frau macht sie dennoch erfinderisch. Wenn sie kein Brot bekommen kann, dann wenigstens die Brotreste, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Damit möchte sie sagen: „Mehr als alle Kunst der Welt hilft mir ein Brocken von dir!“ Hier sehen wir deutlich: Das Vertrauen, das diese Frau in Jesus setzt, ist durch nichts zu erschüttern, sie resigniert nicht, sie lässt sich nicht abweisen, sie versucht es immer wieder von Jesus das gewünschte zu erhalten. Und deshalb sagt ihr Jesus: „Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, das soll geschehen!“
Groß ist immer der Glaube, der sein Vertrauen über alle Hindernisse hinweg auf Jesus setzt. Dagegen erweist sich der Glaube als klein, der angstvoll auf sich selbst oder die anderen schaut oder die augenblicklichen Gegebenheiten fürchtet. Diese Erzählung möchte uns jedenfalls dazu ermutigen, den großen Glauben zu wagen. Ihm entspricht das große Gelingen. „Was du willst, soll geschehen!“ sagt Jesus der Frau. Und dieses Wort bedeutet die Heilung ihrer Tochter.
Rückblickend können wir sagen: Die Größe des Glaubens dieser Frau besteht nicht darin, dass sie dieses oder jenes, was sie über Jesus gehört hatte, für wahr gehalten hat; denn biblischer Glaube bedeutet nicht, dass man bestimmte Worte oder Sätze für wahr hält. Biblischer Glaube ist vielmehr ein personales Geschehen zwischen Gott und dem Menschen. Daher erreicht der Glaube dieser Frau seine eigentliche Größe dort, wo sie Jesus sagte: „Ja, Herr, du hast recht!“ In diesem Glauben kann der Glaubende sein Leben ganz auf Gott hin wagen und das deshalb, weil Gott sich in Jesus ganz auf uns hin gewagt hat.
Was uns allerdings hin und wieder ein wenig die Kehle zuschnürt in unserem eigenen Glauben, das ist die Tatsache, dass scheinbar viele unserer Bitten ins Leere gegangen sind. Aber Gott mit einem Wunscherfüller zu verwechseln – dieser Glaube hat nie eine Berechtigung gehabt. Wir leben eben in einer Welt, in der wir alle miteinander ausgesetzt sind, uns in vielen Situationen nicht zu helfen wissen, an die Grenzen unserer eigenen Möglichkeiten stoßen. Wir leben oft in Situationen wo sich Gott aber trotzdem zeigt: in helfenden Menschen, in Impulsen, die wir bekommen, in Auswegen, die uns gezeigt werden. Und wir selber dürfen immer wieder an den Wundern Gottes mitwirken durch unsere helfenden Hände, durch unsere tröstenden Worte, durch unser Gebet.
Interessant an dieser Erzählung aus dem heutigen Evangelium ist immerhin die Tatsache, dass Jesus den Glauben zur Grundlage seiner Wunder macht, dass der Glaube gleichsam die notwendige Disposition ist, die das Wunder ermöglicht.
Worin besteht nun “großer Glaube“? Er besteht darin, die Unverfügbarkeit von Gottes Liebe anzuerkennen und die Spannung auszuhalten, die darin besteht, sich selbst zu wagen und das mit dem Risiko, sich menschlich als abgewiesen zu erfahren , und trotzdem darauf zu vertrauen, dass Gottes Zuwendung uns oft auf Wegen erreicht, die ganz anders sind, als wir sie planen, und die wir deshalb nur selten verstehen. Amen.

P. Paul Mühlberger SJ

24.08.2014

21. Sonntag im Jahreskreis
Mt 16, 13-20
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Jesus war also neugierig darauf, welche Meinung die Menschen über ihn hätten und auch war er neugierig über die Meinung seiner Jünger selbst. Oder wollte er seine Jünger zum Nachdenken bringen über seine Person. Und so kommen verschiedene Antworten heraus; aber alle gingen am Wesentlichen der Persönlichkeit Jesu vorbei. Nur Petrus traf sozusagen den Nagel auf den Kopf mit seiner Antwort: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“. Wir wollen nicht darüber nachgrübeln, was Petrus genau unter dem Messias verstanden hat. Sein Bekenntnis „Sohn des lebendigen Gottes“ gibt seiner Aussage den strahlenden Hintergrund. Denn was immer der Messias tun und sagen wird, das ist die Stimme, das ist die Offenbarung Gottes selbst – und das genügt dem Petrus, der hier im Namen aller Apostel spricht.
Und auf dieses Wort hin gibt Jesus seine große Verheißung an diesen Petrus. Er vertraut ihm seine Kirche an. Und er nennt ihn einen Felsen, einen Felsen, auf dem man einen großen Bau wagen kann, einen Felsen, der das nötige Fundament bildet. Die Schlüssel zum Himmelreich erhält dieser einfache Fischer vom See Genesareth. Die Schlüssel zum Himmelreich erhält jener Mann, der noch vor wenigen Tagen Jesus dreimal verleugnet hatte. Gab es keinen besseren? Worauf baut Jesus eigentlich, wenn er so eine gewaltige Berufung ergehen läßt? Wir ahnen es: er baut nicht auf Einfluß und Reichtum, er baut nicht auf Bildung oder Ansehen, auch nicht auf die persönlichen Führungsqualitäten des Petrus.
Ausschlaggebend ist der Gehorsam des Petrus. Gehorsam nicht im Sinne von blindem Gehorsam, der Befehle ausführt ohne nachzudenken, der die eigenen Grenzen und das eigene Denken ignoriert. Gehorsam zeigt sich im Hinhören auf Gott, hören, horchen, der ursprünglichen Bedeutung des Wortes. Nicht aus eigener Erfahrung spricht Petrus das Messiasbekenntnis. Er hat gelernt hinzuhören auf Gott, er versteht, was Gott den Menschen sagen will und wagt es, das auszusprechen, auch wenn es im Denken seiner Zeit als Gotteslästerung erscheinen mußte. Im Gehorsam, im Hören auf Gott wird ein neues Fundament gelegt: Jesus Christus ist der langerwartete Messias, der Sohn Gottes.
Felsenfest ist nicht der Mensch, Petrus mit seinen Stärken und Schwächen, sondern die Botschaft, die er im Hinhören auf die Offenbarung Gottes verkündet.
Viele verschiedene Menschen haben in der Geschichte der Kirche die Funktion des Petrus übernommen. Eine große Reihe von Päpsten hat diese Botschaft vom Messias weitergetragen. Es waren nicht immer heilige Menschen auf dem Stuhl des Petrus. Aber die Botschaft blieb rein und unverfälscht.
Und so hat die Kirche bis heute überlebt, nicht als monolithischer Block, sondern so vielfältig wie die Kirchenbauten Zeugnis für die durchlebten Jahrhunderte geben, so bunt und vielfältig ist das, was auf dem Fundament des Petrus weitergebaut wurde.
Und eines hat die Kirche in den zwei Jahrtausenden ihres Bestehens sicher nicht verloren: das menschliche Antlitz des Glaubens. So wie Petrus Zeit seines Lebens auf der Suche blieb und manchmal auch erst im Nachhinein verstand, was Gott sagen wollte, so wurde auch die Kirche als Gemeinschaft immer wieder bis zu den Grundfesten erschüttert, wenn sie nicht mehr genug auf Gott selbst hinhören wollte oder wollte und sich mit einem oberflächlichen Gesetzesgehorsam zufrieden gab oder sich zu weit von ihrem Fundament entfernte. Das kann Ecken und Kanten kosten, das kann Risse und Breschen in die Mauern sprengen und trotzdem bleibt die Zusage: „Die Mächte der Unterwelt und des Todes werden sie nicht überwältigen“.
Ein tröstliches Wort, das aber nicht bedeutet, der Herr hätte uns in Europa den Fortbestand seiner Kirche garantiert. Jesus verwendet auch das liebliche – aber beunruhigende – Bild einer kleinen Herde, von Wölfen bedroht. In den ersten christlichen Jahrhunderten blühte die Kirche in Gegenden auf – in der heutigen Türkei, in Nordafrika -, in denen heut4e der christliche Glaube kaum präsent ist.
Die Kirche, auf Felsen gebaut, ist aber nicht selbst Fels, sondern ein lebendiger Organismus. Es gibt in ihr ein Werden, ein Wachsen – wie im Samen, der zu einem Baum wird. Sie geht mit der Geschichte, assimiliert die Epochen, befruchtet die Zeiten, geht nicht in sie auf, überdauert sie. Sie ist Gotteswerk, aber von Christen als Gemeinschaft von Menschen unter Führung von Menschen erbaut. Sie ist von unserem Tun und Lassen, von Treue, Verrat, Heiligkeit und Mittelmäßigkeit abhängig – sie ist in unseren Händen und doch ist sie nicht unsere, sondern seine Kirche. So entsteht die Heiligkeit der Kirche nicht durch die Addition unserer kümmerlichen „Heiligkeiten“, sondern durch den Heiligen Geist. Er ist ihr Lebensprinzip, er vermittelt durch die Sakramente das Leben. Und das müssen wir bedenken: am Anfang jeder Erneuerung – sozial wie persönlich – steht nicht forsches Fordern, sondern ehrfürchtiges Horchen.
So können Risse und Breschen zu Fenstern und Türen werden, um die hereinzulassen, die bisher draußen geblieben sind und die schmerzlich geschliffenen Ecken und Kanten können sensibel machen für die Schwächen und Leiden der anderen Menschen die ebenso wie wir auf der Suche sind nach Sicherheit und Fundament.
Aber die Frage Jesus ergeht auch ganz konkret an jeden von uns. Wir machen uns ja auch immer wieder Gedanken über Gott. Gott sei Dank tun wir das. Viele Menschen haben sich das schon abgewöhnt. Für sie genügt das Irdische und Materielle, sie haben die Perspektive verloren, sie haben zu suchen und zu fragen aufgehört. Und wir machen uns auch Bilder von Gott, obwohl das Alte Testament das ausdrücklich verboten hatte. Jedoch wir sind in einer anderen Situation als die Menschen des Alten Testament. In Jesus Christus ist uns das wahre Bild von Gott aufgeleuchtet. Und so hat die christliche Kunst ihn immer wieder dargestellt: als guten Hirten, als Weltenrichter, als König und als mißhandelten Menschen am Kreuz. Und unser eigenes Gebetsleben prägt wiederum ein ganz individuelles Bild von Jesus.
Aber keines dieser Bild zeigt die ganze Persönlichkeit Jesu. Sie ist für uns unergründbar. Aber dankbar sein müssen wir für alle Nuancen, die wir von Jesus in unserer eigenen Gebetserfahrung wahrnehmen dürfen.
Es wird uns heute immer wieder eingeredet, dass die Kirche in einer Krise steckt. Viele Menschen drehen der Kirche den Rücken, viele kritisieren den Papst und die Kirche, zumeist sind das jene Menschen, die sich ohnehin nicht sonderlich um den Glauben Mühe geben. Wir bleiben alle Suchende, vom Papst angefangen bis hin zum letzten Gläubigen. Aber wir bleiben auch Vertrauende, Vertrauende darauf, dass der Beistand Jesu, des Sohnes Gottes uns nicht verloren gehen wird und wir nicht schlecht beraten sind, wenn wir das Wort der Kirche ernst nehmen. Paulus warnt einmal davor, wir sollten nicht auf Lehrer hören, die nur auf Ohrenkitzel aus sind, auf Propheten, die nach der Mode sprechen und den Ernst der Heilsbotschaft verfälschen.
Und wir sollen Optimisten sein, weil auch wir bekennen: Jesus ist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes. Amen.

P. Paul Mühlberger SJ

31.08.2014

22. So im Jahreskreis
Mt 16,21-27

Fortsetzung folgt. So hätte es am vergangenen Sonntag nach der Verkündigung des Evangeliums heißen können. Denn im Anschluss an die Frage Jesu nach seiner Identität und die Antwort des Petrus „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ kommt Jesus heute darauf zu sprechen, wie er sich als Messias versteht. Das Bild eines leidenden Messias sollte sich einprägen in die Herzen seines Schülers- und Freundeskreises. Leiden, Tod und Auferstehung gehören zu seiner künftigen Lebensperspektive. Jesus hat das Leiden nicht gesucht. Das zeigt sein Gebet auf dem Ölberg; aber er hat das Kreuz angenommen als er es aufgrund seiner menschenfreundlichen Lebenspraxis unverweigerlich auf sich zukommen sah.
Ein leidender Messias will aber absolut nicht in den Kopf des Petrus hinein. Er hat eine andere Ansicht von einem Messias und seinem Weg. Petrus will nicht dass Jesus das gleiche Schicksal ereilt, wie es die Propheten zu ertragen hatten. Er will Jesus nicht ins offene Messer rennen lassen.
Ich kann mich noch gut an den Film von Mel Gibson über die Passion Jesu erinnern. Als gezeigt wurde, wie sehr Jesus gelitten hat, war ich sehr betroffen. Im Evangelium hören wir die Worte von Petrus: „Das soll Gott verhüten, das darf nicht mit dir geschehen.“ Petrus hat es doch gut gemeint. Niemand möchte einen lieben Menschen leiden sehen. Das Leiden, die Krankheit und das Sterben wollen wir gerne aus dem Leben ausklammern. Jesus antwortet aber mit scharfen Worten: „Weg mit dir Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“ Leiden und Kreuz, in welcher Form auch immer, gehören zu einem Leben mit Christus. Das sagt Jesus mit diesen Worten unmissverständlich.
Was für viele Situationen im Leben gilt, das gilt auch für den Glauben. Ich kann mir nicht nur die Rosinen herausnehmen, aber das Unangenehme verdrängen. In jeder Entscheidung, die ich im Leben treffe, gilt es anzunehmen, was mir gut tut. Ebenso aber gilt es nicht vor dem zu fliehen, was schwer ist. Jeder Beruf hat seine schönen Seiten, aber auch das, was mir nicht immer passt. Jede Lebensform bringt Erfüllendes und Frohmachendes. Aber es gibt auch das Schwere. Wer eine Ehe eingeht, kann nicht mehr so leben, als sei er unverheiratet. Da gibt es Zeiten, in denen das Zusammensein mit der Ehefrau oder dem Ehemann erfüllend ist, da machen die Kinder Freude. Aber es gibt auch Zeiten, in denen man merkt, dass Rücksichtnahme auf andere auch zur Last werden kann. Als Priester, der ehelos lebt, spüre ich eine große Freiheit, ich kann mich meiner Aufgabe als Priester widmen, ich kann mit meiner freien Zeit tun, was mir gefällt. Aber ebenso gibt es Zeiten, da fühle ich mich einsam. Da merke ich auch schon: auf Frau und eigene Kinder zu verzichten, fällt auch schon schwer. Die Lösung aber liegt nicht darin, Unangenehmes und Schweres zu verdrängen.
Bei Jesus gibt es keine religiöse Kuschelecke
Dieses gilt auch für unseren Glauben. Es gibt Geschichten, die hören wir gerne. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn hören wir gerne, weil uns darin gesagt wird: Gott nimmt uns immer wieder an. Wir freuen uns über die Bergpredigt, weil hier die Armen, die Barmherzigen, die Friedfertigen selig gepriesen werden. Wenn wir im Evangelium lesen, dass Jesus Kranke heilt, Lahme gehen lässt, den Blinden das Augenlicht schenkt, dann ist das eine Freude. Denn hier schenkt Jesus den Menschen Lebensqualität zurück. Vor allen Dingen sagen diese Geschichten mir, dass Jesus auch meine Blindheiten, meine Taubheiten, mein Stummsein heilt, dass er mich auffordert zum Gehen.
Doch was ist mit den anderen Worten. Was ist mit den Gleichnissen, in denen Jesus uns immer wieder davor warnt, dass wir uns unser Leben und unser Heil auch aus eigener Schuld verspielen können? Diese Worte wollen wir am liebsten streichen. Ebenso wie die Worte aus dem Evangelium von heute. Am allerliebsten wollen wir in ständiger Harmonie leben, in der sich alle gut verstehen. Schön wäre es, wenn alle Menschen, wenn sie nicht schon Christen werden, doch mit Verständnis und Wohlwollen auf die Botschaft reagieren würden. Doch dem ist nicht so. Gerade darum spricht Jesus vom Leiden. Denn er weiß: seine Botschaft wird auf Widerspruch stoßen. Denn seine Worte werden Fassaden niederreißen. Seine Worte werden religiöse Heuchelei anprangern. Gegenüber nichts anderem zieht Jesus mehr zu Felde als dagegen. Seine Worte werden viele Menschen in Frage stellen. Seine Worte werden viele so fordern, aber auch überfordern, dass sie sich entschließen, nicht mehr mit Jesus zu ziehen. Bei Jesus gibt es keine religiöse Kuschelecke. Bei ihm heißt es Einsatz zeigen. Jesus setzt sich mit seinem Leben für das Reich Gottes ein. Dieses Reich Gottes mit seinen Gesetzen und Geboten unterscheidet sich sehr von dem, was wir in der Welt erleben.
Darum musste Jesus mit seinen Worten auch auf Widerspruch stoßen. Aber Jesus ist nicht davongelaufen. Er hat sein Leiden nicht gesucht. Er hat sich nicht auf das, was ihn erwartete, gefreut. Ebenso wenig brauchen wir das Leiden zu suchen. Jesus aber hat es auf sich genommen. Denn ihm ging es um uns, um unsere Rettung. Vor allem wusste er sich getragen von der Liebe Gottes. Diese Liebe seines Vaters hat ihn stark gemacht, hat ihm Mut, Kraft und Tapferkeit im positiven Sinn gegeben. Dieser Mut und die Tapferkeit sind Tugenden, durch die wir bereit werden, Nachteile, Verkennung, Hass, Alleinsein auf uns zu nehmen, wenn wir für eine Sache eintreten, die uns wichtig ist. Mut und Tapferkeit sind Tugenden, die mir helfen, zu mir zu stehen und zu dem, was ich als richtig erkannt habe. Ich kann mich von diesen Gedanken her fragen: Stehe ich zu dem, was ich wirklich denke, handle ich danach oder richte ich mich nach dem, was die Menschen von mir erwarten? Handle ich so, dass mir möglichst viele Beifall klatschen, dass ich ja meine Freunde nicht verliere oder zeige ich, was ich als richtig erkannt habe. Weil Jesus so gehandelt hat, darum hat er den Tod auf sich genommen.
Ich greife hier auch noch einmal den Gedanken von den Heilungsgeschichten auf. Wir hören gerne, dass Jesus Blinde heilt, Tauben die Ohren öffnet, Stumme reden macht. Mir gefällt der Gedanke, dass er auch meine Blindheit, Taubheit, Stummheit heilt. Ich lerne neu sehen. Ich sehe aber auch dann deutlich, was nicht in Ordnung ist. Ich höre auch, was zwischen den Zeilen steht, ich höre dann die stummen Schreie vieler Menschen. Ich bin, wenn meine Stummheit gelöst ist, auch verpflichtet, meinen Mund aufzutun, Gottes Botschaft zu verkünden, meinen Mund aufzutun, Mitmenschen zu verteidigen, auch dann, wenn es Nachteile und Alleinsein bringt. Wissen und Erkenntnis verpflichten!
Ja, haben wir Mut, unseren Glauben zu bezeugen! Haben wir den Mut, einzutreten für unsere Mitmenschen! So hat es Jesus getan. Echte Nachfolger sind wir, wenn wir die Botschaft bezeugen durch Wort und Tat, wenn wir für diejenigen Partei ergreifen, für die niemand Partei ergreift, so wie es Jesus getan hat, wenn wir Nachteile und Verkennung auf uns nehmen, um des Glaubens willen, wenn wir den Mut haben, manche Fassade nieder zu reißen. Nehmen wir uns nicht nur die Rosinen heraus, das, was angenehm für uns ist, sondern seien wir echte Nachfolger!

P.Paul Mühlberger SJ




Adalbert von Chamisso erzählt in einer romantischen Ballade, wie Gott Erbarmen hatte mit einem Menschen, der sich über sein zu schweres Kreuz beklagte. Gott führte ihn in weite Hallen, in denen die unterschiedlichen Kreuze der Menschen standen, und erlaubte ihm, ein anderes für sich auszuwählen. Der Mensch machte sich auf die Suche. Da sah er ein dünnes Kreuz, aber dafür war es länger und größer. Er sah ein kleines Kreuz, aber als er es aufheben wollte, war es schwer wie Blei. Endlich sah er eins, das ihm gefiel, und er legte es auf seine Schultern. Doch da merkte er, wie das Kreuz gerade an der Stelle, wo es auf der Schulter auflag, eine scharfe Kante hatte, die ihm ins Fleisch drang.
So hatte jedes Kreuz seine eigene Last. Und als er alle Kreuze durchgesehen hatte, hatte er noch immer nichts Angemessenes gefunden. Es wollte keines für ihn passen.
Am Ende entdeckte er dann doch noch eines, das er bisher übersehen hatte, weil es so versteckt stand. Das schien nicht zu schwer, nicht zu leicht, wie geschaffen für ihn. Dieses Kreuz wollte er in Zukunft tragen. Aber als er näher hinschaute, da merkte er, dass es sein Kreuz war, das er bisher getragen hatte.
Es ist schon en Kreuz mit dem Kreuz. Man soll es auf sich nehmen. Das ist schnell gesagt. Es ist recht leicht, über das Kreuz als solches zu reden: über das Kreuz des Alltags; über das Kreuz im Leben von anderen; sogar über das Kreuz mit sich selbst. Eine ganz andere Sache ist es, ei Kreuz auch zu tragen. Das lässt sich nämlich wirklich nicht so leicht auf sich nehmen. Alles wehrt sich dagegen – wie das Leben gegen den Tod.
Haben sie noch im Ohr, wie Petrus sich gegen die Leidensvorhersage Jesu gewehrt hat? Jesus tadelt ihn aufs heftigste. Aber Petrus dachte so wie wir auch. Und dann sagt Jesus, jeder müsse sein Kreuz auf sich nehmen. Es ist ja nicht etwas, das wir suchen müssten, es stellt sich von selbst ein – und wer ihm unbedingt ausweichen wollte, der geht an seinem Leben vorbei. Dennoch geht uns das Wort Jesu bisweilen leicht über die Lippen. Aber sehr oft ist es nicht möglich, mit ihm einen Leidenden zu trösten; denn man kann dieses Wort vom Kreuztragen auch missbrauchen. So ist es, wenn wir einer unguten Leidensmystik das Wort reden. Eine Leidensmystik ist ungut, wenn sie uns weismachen will, dass das Leiden an sich gut und Gott wohlgefällig sei. Doch das Leiden ist nie gut gewesen, und zu keiner Zeit hat Gott daran sein Gefallen gehabt.
Denken sie beispielsweise an eine Frau, die mit einem Alkoholiker verheiratet ist. Man muss sich hüten, ihr zu sagen: „Gute Frau, das ist nun einmal ihr Kreuz; schauen sie auf das Kreuz Christi und tragen sie das ihrige mit Geduld.“ Ein solch leichtfertiger Rat ist nicht nur menschenunwürdig, sondern auch gottesunwürdig. Ein Priester müsste vielmehr alles tun, was in seiner Macht liegt, um mitzuhelfen, dass der trunksüchtige Mann in irgendeiner Weise Heilung findet. Erst wenn man alles unternommen hat, was möglich war, kann man vielleicht und diskreterweise auf das Kreuz Jesu hinweisen.
Wer das Wort von der Kreuzesnachfolge bei jeder Gelegenheit in den Mund nimmt, muss sich fragen, ob er das Kreuz des Herrn nicht missversteht. Zuweilen erwecken wir den Eindruck, Gottvater im Himmel hätte durch den fürchterlichen Kreuzestod seines Sohnes besänftigt werden müssen. Das ist eine völlig abwegige Deutung. Jesu Tod am Kreuz ist vielmehr die Folge seiner Botschaft und seines Handelns. Weil er durch sein Leben und seine Predigt gezeigt hat, dass Gott ein Freund des Lebens ist, wurde er getötet. Weil er für die Gerechtigkeit und die Freiheit alles Menschen eintrat, weil er das Glück aller wollte, musste er verschwinden. Weil er die Liebe seines Vaters selbst dem Sünder ganz konkret anbot, musste er ans Kreuz. Seine ganze Botschaft lässt sich in dem einen Satz zusammenfassen: „Wer immer du bist – Gott liebt dich!“
Daher bedeutet Kreuzesnachfolge zuallererst, dass wir uns – wie Jesus – für unseren Nächsten einsetzen, dass er frei und glücklich wird. Wer das tut, gerät erfahrungsgemäß alsbald in Widerspruch zu den Auffassungen vieler Zeitgenossen. Unsere Brüder und Schwestern, die sich in den korrupten und totalitär regierten Ländern für die Gerechtigkeit und Freiheit stark machen, zeigen besonders drastisch, wie Kreuzesnachfolge heute aussehen kann.
Jene Kreuze, die mit unserem bewussten menschlichen Handeln zusammenhängen mögen noch einigermaßen zu tragen sein. Dieses Kreuz können wir noch einigermaßen verstehen und in unsere Lebenswelt einordnen. Es gibt aber auch das Kreuz des Unverstandenen, jenes Kreuz, das uns ganz existentiell betrifft, das Kreuz, das mir das Leben streitig macht und sich nicht mehr einordnen lässt. Wenn jemand ein unheimliche Krankheit befällt oder wenn ihn ein Unglückfall trifft. Dann kann es sein, dass wir mit dem sterbenden Jesus nur noch schreien: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Wo sich Gott angesichts eines schweren Leidens scheinbar ins Dunkel zurückzieht, da bleibt uns in der Kreuzesnachfolge oft nicht anderes übrig, als in den klagenden Schrei einzustimmen: Ich möchte es tragen in Glauben, dass auch dieses Leid Frucht bringt, auch wenn ich es nicht verstehe.
Vielleicht hilft es uns in solchen Situationen auch einmal mit Gott zu hadern, wie es der Prophet Jeremias in der heutigen Lesung getan hat. Was wäre ehrlicher gebetet, als wenn wir auch manchesmal unsere ganz Not Gott entgegenschreien dürften.
Letztlich ist auch das Leid nicht ohne Sinn, sowohl das erklärbare als auch das dunkle nicht verstehbare Leid. Denn alles Leid ist erlöste durch das Leid Jesu, alles Leid wird fruchtbar durch das Leid des Gottessohnes.
Dass das Kreuz eine „Schule des Lebens“ sei, ist eine äußerst gewagte Behauptung. Viele zerbrechen am Kreuz. Allerdings gibt es gelegentlich auch die Beobachtung: Da ist jemand, den bringt das Kreuz zu einer positiven Annahme seiner Situation und zu einer erstaunlichen menschlichen Reife.
Durch eine Oase ging ein finsterer Mann. Er war so gallig in seinem Charakter, dass er nichts Gesundes und Schönes sehen konnte, ohne es zu verderben. Am Rand der Oase stand ein junger Palmenbaum im besten Wachstum. Der stach dem finstern Mann in die Augen. Da nahm er einen schweren Stein und legte ihn der jungen Palme mitten in die Krone.
Die junge Palme schüttelte und bog sich und versuchte, die Last abzuschütteln. Vergebens. Zu fest saß der Stein in ihrer Krone. Da krallte sich der junge Baum tiefer in den Boden und stemmte sich gegen die steinerne Last. Er senkte seine Wurzeln so tief, dass sie die verborgenen Wasseradern der Oase erreichten, und stemmte den Stein so hoch, dass die Krone über jeden Schatten hinausreichte. Wasser aus der Tiefe und Sonnenlicht aus der Höhe machten eine königliche Palme aus dem jungen Baum.
Amen.

P. Paul Mühlberger SJ

07.09.2014

23. So im Jahreskreis
Mt 18,15-20
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Es gibt immer Situationen, in denen Menschen sich „unmöglich“ benehmen, in denen sie schuldig werden. Aber wer macht da schon den Mund auf und spricht diesen Menschen direkt an? Gesprochen wird schon, aber mit vorgehaltener Hand, nicht mit dem Betroffenen, aber über ihn.
Wer geht schon den Weg, den heute das Evangelium vorschlägt: Sprich zuerst unter vier Augen mit ihm. Wenn das nicht fruchtet, nimm einen anderen mit und versucht es noch einmal. Und erst wenn gar nichts zu machen ist, geh an eine übergeordnete Stelle. Meist geht der Weg genau umgekehrt: Zuerst wird über den Menschen und sein unmögliches Verhalten geredet, vielleicht wird er sogar öffentlich angeklagt. Aber keiner spricht ihn persönlich an.
Und so erzählt jemand: Wir saßen zu dritt beieinander – und der Vierte war in unserem Munde. Er hatte sich tatsächlich sehr falsch, ja unmöglich benommen. Wir brachten es aber nur fertig, über ihn zu reden, nicht mit ihm. Was wir nicht wussten: Er kam zufällig an der Tür vorbei, und weil wir nicht gerade leise waren, bekam er alles mit. Am nächsten Tag klopfte es an meiner Tür – und er kam herein. „Ich habe euch gestern Abend gehört. Was ist los? Warum sprecht ihr nicht mit mir?“
Das war eine beschämende Situation! Die Offenheit, die ich hätte an den Tag legen müssen, zeigte er. Aus dieser Situation hat sich ein sehr fruchtbares Gespräch entwickelt.
Genau da liegt das Problem! Wer hat schon den Mut, einen anderen unter vier Augen offen auf seine Fehler anzusprechen? Das klingt so einfach und ist doch so schwer.
Da ist ein Mann, der mit seinem Verhalten der ganzen Nachbarschaft auf den Geist geht- Es wird getuschelt und über ihn geredet. Er wundert sich, dass sich die Nachbarn so linkisch zu ihm verhalten, weiß aber nicht warum. Aber wie soll er sein Verhalten überprüfen, wenn er nicht weiß, dass und wo er Fehler macht.
Die drei kleinen Affen sind eine bekannte Figur. Nichts sehen, nichts hören und nichts sagen scheint Das scheint das Rezept für ein gelungenes Leben zu sein. Dabei stimmt dieses Rezept oft nicht. Denn viele Menschen sehen und hören sehr wohl, was sich in der Umgebung tut. Man weiß oft mehr von den Nachbarn oder Arbeitskollegen, als man zugibt. Wenn dann etwas Schlimmes passiert, haben es auch viele geahnt und gewusst. Woher man es weiß und warum man es weiß, ist dann noch einmal etwas anderes.
Das Evangelium vom heutigen Sonntag scheint das ganze umzudrehen. Es sagt nicht: „Schau weg und sag nichts!“ sondern: „Wenn du schon hinschaust, dann sag auch etwas!“ Wenn du schon hinschaust bei einem Menschen, an dem dir etwas liegt, dann teile mit ihm deinen Blick! Diese Forderung Jesu geht durchaus unter die Haut. Es ist schwer, unangenehme Wahrheiten auszusprechen. Noch schwerer ist es, diese Wahrheiten direkt zu sagen. Den anderen im vertrauten Rahmen anschauen und sagen: „Du machst da einen Fehler!“
Schuld ist aber nicht immer ein privates Geschehen, sie hat auch eine gesellschaftliche Dimension.
Und so geht Jesus in dieser Lehre noch einen Schritt weiter, der ein neues Licht auf die Szene wirft. Es geht nämlich nicht um einen Fehler, sondern um Sünde in der Gemeinde. Der Bruder ist das Mitglied in der Gemeinde. Aus ihr soll gegebenenfalls jemand dazukommen, wenn es ein Gespräch zu dritt sein soll. Da ist also jemand in der Gemeinde, der bewusst etwas tut, was gegen die Ordnung der Gemeinde ist. Es geht also nicht nur um ihn und seine Schuld. Es geht auch darum, was dies mit den Anderen macht. Es geht um die gemeinschaftliche Dimension der Schuld.
Zunächst ist die Position klar. Der andere soll zur Umkehr bewegt werden. Erst allein und dann mit Unterstützung und notfalls in der Gemeinschaft. Es wird also genügend Energie aufgewendet. Niemand soll herausgekegelt werden. Im Gegenteil, man tut alles, um ihn zu halten. Der Bruder soll als Bekehrter in der Gemeinde bleiben und in der Gemeinde etwas bewirken. Nur wenn dies trotz allem Wohlwollen und trotz allem Mühen nicht gelingt, soll die Gemeinde sich distanzieren.
Der Sinn dieses Verhaltens wird deutlich, wenn man auf die ersten Gemeinden schaut. Sie wollten sich etablieren als Gegenentwurf zu dem, was die Menschen kannten. „Bei Euch soll es nicht so sein!“, heißt es ja mehrfach im Evangelium. Wenn so neue Formen gesucht und gelebt werden, schauen viele Menschen genau hin. Kann es etwas Faszinierendes für mich sein? Wird mir ein Leben gezeigt, das anders und gut ist? Oder „wird bei denen auch nur mit Wasser gekocht“ und alles anders gelebt? Haben sie in der Gemeinde vielleicht schon Präzedenzfälle, an denen man sich reiben kann? Ein Sünder in der Gemeinde wäre jemand, der mit seinem Tun diesen Aufbau der Gemeinde durcheinander bringt.
Dies wird im Alltag immer wieder dann deutlich, wenn es um Wahlkampf geht [wie im Moment ja in Deutschland]. Dann werden die Skandale und Skandälchen der Politiker hervorgezogen, um dem Ansehen der Partei zu schaden. „Ihr wollt doch nicht denen die Macht anvertrauen, die einen solchen Menschen in der Führung haben!“ So schadet der sündige Bruder nicht nur sich, sondern auch der Gemeinde und dem Versuch, das Christentum zu etablieren. Und dagegen - so der Ansatz des Evangeliums - soll man etwas machen.
So gesehen sollte man den eingangs erwähnten drei Affen eigentlich drei andere Affen entgegenstellen, die sehen, hören und reden, aber das ganze verbunden mit einem ganz großen Herzen. Mit Wohlwollen und Liebe ansprechen, was man leider gesehen hat, ist ein anderes Verhalten, das nach vorne bringt. Im günstigen Fall ist es ja nach dem Gespräch unter vier Augen schon getan.
Ein solches Verhalten ist dann zugleich die Antwort auf die Forderung des Römerbriefs: „Die Liebe schuldet ihr einander immer!“ Es ist die Liebe, aus der heraus ich einen anderen anspreche. Zunächst um dieses Menschen willen, Dann aber auch um der Sache willen. Die Liebe schulden wir dem anderen in der Form, wie wir das Thema ansprechen. Da kann es sehr unterschiedlich sein. Auch wenn man vor dem Gespräch Angst hat - vielleicht muss es sein. Wenn dann am Ende steht, dass sich der Bruder fängt und neu seinen Weg geht, ist alles gewonnen.
Was daraus werden kann, sagen wiederum die beiden letzten Verse des Evangeliums: Der gemeinsamen und von allen geteilten Bitte wird sich der Vater nicht versagen. Diese Erfahrung soll und will man oft machen. Sie setzt tatsächlich eine innere Gemeinschaft voraus - eine Gemeinschaft, die sich aus den gemeinsamen Werten trägt.
Möge uns der Herr das nötige Fingerspitzengefühl geben, dass wir unseren Mitmenschen mit der Liebe zur Seite stehen, mit der Jesus uns liebt.
Amen.
P. Paul Mühlberger SJ

14.09.2014

Fest der Kreuzerhöhung
Phil 2,6-11
Jo 3,13-17
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Vor wenigen Tagen erzählte eine Frau, dass ihr Sohn - er ist im Kindergartenalter - ein beängstigendes Interesse für Darstellungen Jesu am Kreuz entwickelt habe. Wann immer er ein Kreuz sieht, will er wissen, wer das sei und warum man das mit ihm gemacht habe usw. Ihr als Mutter stellten sich von da her viele Fragen: Wie kann sie damit umgehen? Wie kann sie ihrem Kind ausreichend antworten? Sollte man solche Darstellungen in der Öffentlichkeit nicht verbieten, wenn sie so nachhaltige Wirkung auf Kinder haben?
Religiöse Symbole in der Öffentlichkeit verbieten ist meines Erachtens auf Dauer kein gangbarer Weg. Man würde gleichzeitig alle anderen Symbole einschließlich der politischen aus der Welt schaffen müssen. Unsere Welt ist voller Symbole. Alles und jedes kann zum Symbol werden. Die Frage ist, was wir damit verbinden und was ein Menschen, der bewusst ein Symbol setzt, damit zum Ausdruck bringen will.
Das Kreuz als Symbol hat am Anfang des Christentums kaum eine Rolle gespielt. Die früheste Kreuzesdarstellung ist ein Graffito aus dem zweiten Jahrhundert. Es zeigt einen Mann, der einen anderen Mann mit Eselskopf am Kreuz anbetet. Darunter steht "Alexamenos betet seinen Gott an".
Durch viele Jahrhunderte wurde das Kreuz ohne den Körper Christi dargestellt, oft mit Edelsteinen besetzt. Das älteste erhaltene monumentale Kruzifix, so nennt man Kreuzesdarstellungen mit dem Körper Jesu, stammt aus dem 10. Jahrhundert.
Das Kreuz als Symbol, mit oder ohne den Körper Jesu, kann sehr unterschiedlich verstanden werden. Immer erhebt sich die Frage, was Menschen, die es aufstellen, aufhängen oder als Schmuck am Körper tragen, damit ausdrücken wollen, bzw. was Menschen, die es zu Gesicht bekommen, darin sehen.
Das Kreuz ist für mich ein Symbol für die Bedrohungen, denen ich gegenüberstehe, die abzuwenden ich nicht in der Hand habe; ein Symbol für alle Grausamkeit, die Menschen einander antun können und gegenwärtig antun in der Ukraine, im Irak, in Syrien, in Afrika - oft unter Missbrauch des Namens Gottes.
Ich blicke zum Bild des Gekreuzigten auf und möchte trotz allem Leid, dem ich ohnmächtig gegenüberstehe, wie Jesus von meinem Vertrauen in den Schöpfer nicht ablassen. Von ihm erbitte ich die Kraft, auf Hass nicht mit Hass zu antworten oder bildhaft gesprochen zum Schwert greifen zu müssen. Ihm überlasse ich das Gericht über alle Gewalttäter, die menschliches Gericht nicht erreicht. Von ihm erhoffe ich mir neues Leben, wo das Leben in der uns bekannten Form am Ende ist.
Viele denken: Das Leid ist ein Zeichen des Abwesenheit Gottes. Gott hat mich verlassen. Nein, er lässt mich nicht allein, auch nicht im ungelöstesten und unlösbarsten aller menschlichen Probleme, im Leiden. Er hat keine Theorie darüber entworfen, er leidet mit. Am christlichen Glauben überzeugt mich vor allem dies: Der Gott, an den wir glauben, geht an den offenen Wunden nicht vorbei, er trägt sie selbst, und er hat die Kraft, sie zu verwandeln. Das Zeichen des Glaubens ist nicht der strahlende Held mit dem Lorbeerkranz, sondern der gekreuzigte Gottessohn mit der Dornenkrone. Seine Wunden und der schreckliche Tod werden nicht verleugnet, sondern öffentlich vorgezeigt als Sinnbild seiner schöpferischen Lebenshingabe.
Das Kreuz steht dort, wo Menschen über Leichen gehen und andere kaputt machen oder erledigen, wo unsere Lebenspläne durchkreuzt werden, wo das Bild vom guten Vater im Himmel verdunkelt wird und wir fragen: Warum, Gott? Warum ich, warum er, warum sie, warum jetzt? Warum, o Gott, warum? Da, wo es einem das Herz zerreißt, wo es zum Heulen ist, dort steht das Kreuz, mitten in der Lebensrealität. Nicht als ein frommer Gebrauchsartikel, sondern als ein Stück unseres Lebens. Wo immer ich ein Kruzifix sehe, höre ich diesen Schrei nach Gott, und ich spüre, dass Christus Gottes Nähe in die Abgründe der Gottverlassenheit gebracht hat.
Oft wird das Leben halbiert. Wir sind gefangen von der Sonnenseite, und vor der Schattenseite machen wir die Augen zu. Die christliche Hoffnung ist auf das ganze menschliche Leben ausgerichtet. Hier wird nichts verdeckt oder verdrängt, sondern das Leben wird angenommen, wie es ist: Freude und Leid, Geglücktes und Misslungenes, Erfolg und Scheitern, Leben und Sterben. Das Christentum zeichnet sich dadurch aus, dass es den Tod nicht verdrängt, sondern sich mutig damit auseinandersetzt. Christen setzen ihr Vertrauen auf jenen Sohn Gottes, der durch seinen Tod die Welt erlöst hat. Und auch das ist zu sagen: Unser Gott steht auf der Seite der Opfer, der Zu-kurz-Gekommenen, der Schwachen und Armen.
Das Kreuz sagt mir: Gott ist mir auch im Leiden nahe, und er ist den Leidenden nahe. Hoffnung, de trägt. Der Kreuzträger ist unser Hoffnungsträger auch in den schwierigen Situationen der Kirche.
In diesem Sinne tut es mir gut, wenn ich dem Zeichen des Kreuzes begegne: im religiösen Leben, in der Kunst, im öffentlichen Raum. Allen, die daran Anstoß nehmen, wünsche ich, dass sie Menschen begegnen, die ihnen erzählen können, was es ihnen bedeutet und welche Hoffnung sie damit verbinden.
Amen.

P. Paul Mühlberger SJ

21.09.2014

25. So im Jahreskreis
Mt 20, 1-16a
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Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg will ohne großartige Verschlüsselung von der Herrschaft Gottes erzählen. So, wie der Gutsherr mit seinen Arbeitern umgeht, dürfen wir uns das Verhalten Gottes den Menschen gegenüber vorstellen. Das bereitet keine Schwierigkeiten. Wir stellen uns Gott gern vor als einen, der über alle Maßen gütig ist und keinen auf der Strecke bleiben läßt.
Und doch ruft diese Menschenfreundlichkeit unseren Widerspruch hervor, es nagt etwas in uns, es „wurmt“ ganz einfach. Warum sollen diejenigen, die weniger geleistet haben, genauso entlohnt werden wie die Fleißigen? Ist nicht die erbrachte Leistung der gängige Maßstab für den Lohn? Das lernen wir doch schon von klein auf. Alles, was wir tun oder nicht tun, wird irgendwie bewertet: Lob oder Tadel, Belohnung oder Strafe, gute oder schlechte Noten. Ohne guten Schulabschluß kein qualifizierter Ausbildungsplatz, ohne entsprechende Ausbildung kein gut bezahlter Arbeitsplatz. Wer seine Arbeit nicht gut macht, darf nicht mit einer Beförderung liebäugeln. Dieses Leistungsprinzip prägt unser ganzes Leben, und wir machen mit, weil wir keine andere Wahl haben. Von dieser Warte aus fällt es leicht, den Ärger derer zu verstehen, die sich den ganzen Tag geschunden haben und auch nicht mehr bekommen als diejenigen, die wesentlich weniger gearbeitet haben. Güte in Ehren, aber wird sie hier nicht ungerecht gegenüber einem Teil der Betroffenen? Oder trifft etwa der Satz zu: Bist du aus Neid böse, weil ich gütig bin?
Jesus stellt mit diesem Gleichnis die menschliche Wertordnung auf den Kopf. Er tut es, weil er so am besten deutlich machen kann, wie Gott ist und was er mit den Menschen vorhat. Gott, so sagt Jesus, hat ein so weites Herz, dass es für alle reicht, auch und gerade für die, die nach menschlichem Maßstab keinen Anspruch auf einen Platz in seinem Reich haben. Wer daran Anstoß nimmt, weil er sich für dazugehörig hält, muß sich von Jesus immer und immer wieder zurechtweisen lassen: die Letzten werden die Ersten sein, und die Ersten werden die Letzten sein.
Zurechtweisung, Anstößigkeit, Belehrung, Frohbotschaft? Was bezweckt Matthäus mit diesem Gleichnis? Es ist anzunehmen, daß der Evangelist aus gutem Grund die übergroße Barmherzigkeit Gottes vor Augen führt. In uns steckt eine Haltung ziemlich tief drinnen. Jeder will doch irgendwie sagen können: Das habe ich mir geschaffen, das habe ich mir erarbeitet. Das ist mir nicht geschenkt worden. Auf Schritt und Tritt kann uns das begegnen. Da zählt der Dienstgrad, den jemand erreicht hat, der Titel, den jemand vor seinen Namen schreibt. Da wird auf die Schullaufbahn der Kinder geschaut. Vielleicht wissen sie selbst Dinge zu erzählen, auf die sie so richtig stolz sind, weil sie sich dafür geplagt haben. Ich kann mir denken, dass wir Menschen das auch manchmal brauchen. Allerdings habe ich manchmal den Eindruck, dass diese Frage nach dem Erfolg unserer Mühe immer wieder auch in den Glauben einzieht. Da heißt es dann: Wie oft schon bin ich zum Gottesdienst gegangen, Mein Leben lang habe ich kein Unrecht getan. Was habe ich schon gebetet! Mein ganzes Leben lang habe ich mich bemüht, ein ordentliches Leben zu führen.
Offensichtlich geht das ganz schnell, auch da einen Katalog aufzustellen, was man schon alles geleistet hat. So ist es im Leben, so ist es auch bei Gott, denken wir Menschen. Aber Jesus macht uns da einen Strich durch die Rechnung.
Genau an diesem Punkt treffen wir uns mit den Arbeitern im Weinberg, die von früh um 6 Uhr an oder vielleicht auch von 9 Uhr an im Weinberg arbeiten. Sie arbeiten für ihren Tageslohn, 1 Denar. Davon konnte zurzeit Jesu eine Familie in Palästina einen Tag lang ganz gut leben. Ja, so ist es doch, einen Tag lang, ein leben lang bemüht man sich um ein gutes Leben, eine Leben lang vergißt man nicht auf Gott. Und dann steht doch einem der entsprechende Lohn zu.
Aber Jesus erzählt einen interessanten Ausgang der Geschichte. Er erzählt, dass Arbeiter erst ganz zuletzt kommen, ja eine Stunde vor Torschluß, nachmittags gegen 17 Uhr, wenn es schon kühl wird und von der Hitze nicht mehr viel zu spüren ist. Und die bekommen den gleichen Lohn wie diejenigen, die sich den Ganzen Tag, ihr ganzes Leben lang abgemüht haben.
Und genau an diesem Punkt stört Jesus unsere Menschenordnung. Es stört nicht, dass in der Geschichte Jesus der Weinbergbesitzer noch Arbeiter kurz vor Torschluß einstellt. Es stört auch nicht, dass die Letzten einen ganzen Denar bekommen. Denn dadurch erwarten ja die Ganztagsarbeiter automatisch mehr Lohn. Aber der Hausherr bezahlt ihnen genauso viel. Das ist es, was den Protest der Tagelöhner hervorruft. Die Reaktion der Tagelöhner kann ich einmal so übersetzen: „Du stellst uns mit denen auf die gleiche Stufe, die ihr ganzes Leben lang getrieben haben, was sie wollten und die erst kurz zuvor den Weg zu dir gefunden haben!“
Aber, wenn wir an so einer Evangelienstelle lang genug herum geknabbert haben, könnte einem ja auch der Gedanke kommen: Wie ist es denn wirklich? Kann ich mir die Freundschaft mit Gott verdienen, kann ich mir den Zutritt zu seinem Reich in irgendeiner Form selber erwerben. Ist uns denn nicht alles geschenkt? Kennen wir die Lebenswege der anderen Menschen wirklich so genau, dass wir sie mit dem unseren vergleichen dürften? Müßten wir nicht uns mitfreuen mit den Menschen, denen vielleicht im letzten Augenblick ihres Lebens die Gnade der Bekehrung geschenkt wurde, während sie uns schon von Anfang an geschenkt war. Uns wird ja von unserem Glück dadurch nichts weggenommen. In diesem Gleichnis wird mir vor Augen geführt, dass ich vor Gott keine Leistung vorweisen muß. Gott schenkt mir einfach, was mir noch zum Leben in seiner Gemeinschaft fehlt. Auch wenn vieles in meinem Leben fehlt oder schiefgeht - Gott nimmt mir niemals meine Menschenwürde. Und die wird bei uns oft genug kaputtgemacht, wenn es über jemanden heißt: „Der taugt was, der taugt nichts!“ Die Frage nach dem Wert eines Menschen wird nicht von uns hier auf dieser Welt entschieden, sondern von jemand anderem.
Und noch eine Chance steckt im Evangelium heute, nämlich die, unseren Blick zu üben. Im Evangelium heißt es über die Arbeiter der ersten Stunden: „Ihre Augen waren böse.“ Und ich sehe durch die Geschichte Jesu die große Chance, daß wir unsere Augen üben. Eine Augenschulung, um böse Augen zu heilen, wäre da eine hervorragende Sache. Ein Anfang wäre gemacht, wenn wir uns immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass Gott auch zu diesen Menschen Ja sagt, an dem wir am Stammtisch oder auf der Straße keinen guten Faden lassen. Und warum können wir nicht auch an solchen Menschen gute Seiten entdecken?
Es steckt oft gerade in Bibelstellen, die wir nicht recht begreifen, ja über die wir uns ärgern ein Impuls für uns zu einer neuen Sicht, zu einer neuen Umkehr und zur Änderung unseres Verhaltens. Beten wir also um die Gnade immer tiefer eindringen zu dürfen in die Botschaft, die aus dem Herzen Jesu kommt, damit sie uns trifft und umwandelt. Amen.
P. Paul Mühlberger SJ

28.09.2014

26. So im Jahreskreis
Mt 21, 28-32

Die jüdische Überlieferung erzählt von einem Rabbi, der zu seinen Schülern sagt: „Die große Schuld des Menschen sind nicht die Sünden, die er begeht – die Versuchung ist mächtig und seine Kraft ist gering -, die große Schuld des Menschen ist, dass er in jedem Augenblick die Umkehr tun kann und es nicht tut.“
Dieses Wort aus den Erzählungen der Chassidim trifft so ziemlich den Kern des heutigen Evangeliums von den beiden Söhnen. Es macht deutlich, dass Gott uns nicht auf unsere einmal gegebene Aussage festlegt, sondern auf das Handeln schaut, auf das, was am Ende dabei herauskommt, was jemand wirklich im Herzen aus richtig erkannt hat. Umkehr und Neubeginn sind also immer möglich, was tröstlich und herausfordernd zugleich ist. Die Frage ist nur, ob wir bereit sind, den Weg des Neuanfangs zu gehen.
Das Evangelium ist gleichzeitig eine treffende Analyse unterschiedlicher menschlicher Verhaltensmuster. Da ist zunächst der Jasager, der treue Sohn seines Vaters, der zwar Ja sagt zu seiner Verantwortung als Sohn und zu dem was der Vater ihm aufträgt, aber nicht dazu steht. Ob er vielleicht nur seine Ruhe haben wollte oder keinen Streit mit dem Vater provozieren mochte, und nur deshalb äußerlich Ja sagt, ohne davon überzeugt zu sein? Vielleicht kann uns das Evangelium anregen, darüber nachzudenken, wann und wie wir Ja sagen und gesagt haben und wie wir dieses Ja auch einlösen.
Denken wir nur an die Sakramente in der Kirche, die viele von uns zu Jasagern gemacht haben, z.B. bei der Trauung. Da geht es um die gegenseitige Treue bis zum Lebensend, da geht es um die Bereitschaft, Kindern das Leben zu schenken und sie im Geiste Christi und der Kirche zu erziehen. Unsere Antwort ist: Ja. Oder bei der Taufe wo ws auch um die Bereitschaft geht, die Kinder im Glauben zu erziehen. Auch wieder die Antwort: Ja! Bisher haben noch alle Eltern bei mir „Ja“ gesagt.
Das Ja, das viele von uns in ihrer je eigenen Situation gesagt haben und tagtäglich sagen, sollte uns immer auch zum Nachdenken führen: Wie steht es mit der Übereinstimmung zwischen Reden undTun? Wie weit klaffen Anspruch und Wirklichkeit auseinander? Konkret: Wie verhalten wir uns zueinander in der Ehe? Ist da immer noch die Treue und Achtung spürbar, die wir uns einmal versprochen haben? Wie steht es mit unseren Kindern? Sind wir da noch Vorbilder? Was tun wir, um sie zu einem Leben aus dem Glauben zu führen, auch wenn nicht alles in unserer Hand liegt, sondern auch in der Hand Gottes?
Der Jasager aus dem heutigen Evangelium sollte uns ein kleiner Stachel im Gewissen sein, immer wenn auch wir zwar äußerlich unser Ja sprechen, innerlich aber Nein meinen und vor allem unser gesprochenes Ja nicht leben.
Nun ist der zweite Sohn des Evanbeliums allerdings auch nicht gerade ein Vorzeigebeispiel. Von vornherein Nein zu sagen zeugt von Desinteresse, Lethargie oder Sturheit, die nicht gerade Gaben des Heiligen Geistes sind. Doch Gott hat eine andere Perspektive
Welcher der beiden Söhne bin ich? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Beide Söhne aber haben eines nötig: die Umkehr. Der zweite Sohn macht uns Mut. Es ist möglich, sein Leben und seine Entscheidung zu überdenken. Es ist möglich, immer wieder seine Entscheidung für oder gegen Gott, für ein Leben oder gegen ein Leben mit ihm zu ändern.
Den zweiten Sohn stellen hier die Menschen dar, die sich auf die Worte des Johannes hin bekehren. Es sind die Randgruppen, die am meisten verschrien waren: die Zöllner und die Dirnen. Sicher suchen sich viele von den Randgruppen freiwillig die Situation, in der sie leben. Viele andere aber geraten auch unverschuldet hinein, oder wählen ihren Stand aus Verbitterung oder wegen schlechter Erfahrung. Sie alle haben durch die Worte des Johannes gemerkt, dass in ihrem Leben einiges falsch lief. Viele von ihnen kehrten um. Sie wurden anders. Sie haben entdeckt: mit Gott zu leben, bringt Sinn und Erfüllung.
Umkehr hat jeder von uns nötig und notwendig. Auch die Menschen, die versuchen, als Christ zu leben, die sich redlich mühen, Gottes Willen auch zu tun, haben die Umkehr nötig. Niemals darf ich - gerade in meinem Leben mit Gott - sagen: ich bin fertig. Ich brauche mich nicht mehr zu entwickeln. Vielleicht gelingt es mir schon einiges von dem, was Jesus verkündet, in die Tat umzusetzen. Vielleicht spüre ich, wie gut es tut, als Christ zu leben.
Wenn ich ehrlich bin, dann spüre ich aber doch auch, dass ich noch viele Neins in mir trage, dass ich mich in vielem Gottes Willen verweigere. Ich will meinen Willen tun, ich suche mich selber. Nein sage ich, wenn ich denke: das, was wir da hören, das ist doch gar nicht zu leben. Das kann Jesus doch nicht so gemeint haben. Oder ich denke bei mir innerlich, dass es in unserer Situation nicht möglich ist, den Willen Gottes zu tun. Ich muss ja in der Welt bestehen, sonst gehe ich unter. Ich höre das Wort, ich kenne es, finde es auch gut, aber wenn es ernst wird, dann finde ich Ausreden.

Wir müssen uns fragen: wo stimmt mein Leben nicht mit dem überein, was ich höre, was ich verkünde. "Wenn ich glaube, ich brauche nicht mehr besser zu werden, dann bin ich schon nicht mehr gut." So ein Wort. Ich muss immer wieder neu werden. Das ist nicht unsere eigene Leistung. Es ist Gottes Handeln an uns. Gott, der durch Ereignisse zu mir spricht, der mir durch Mitmenschen sagen kann, wo ich falsch lebe, dass ich Gottes Gebote und auch die Worte Jesu ernst nehme. Ich kann mich auf redliche Weise mit allem, was mich prägt, auseinandersetzen.
Das ist nötig. Denn es ist auch möglich, den Glauben zu verlieren, abzukommen vom Willen Gottes. Auch durch die Worte des Ezéchiel werden wir ermutigt, uns dort zu ändern, wo es nötig ist. Sie verheißen uns Leben. Je mehr wir in den Glauben hineinwachsen, umso mehr wird unser Leben gelingen. Auch dürfen wir uns nicht ausruhen auf dem, was wir im Glauben erreicht haben. Es ist immer wieder möglich, das Gute aufzugeben. Ich kann als Gerechter mein ach so gerechtes Leben aufgeben, wenn ich unbarmherzig und selbstgerecht bin. Die Menschen, die Jesus mit seinem Gleichnis von den beiden Söhnen zuerst ansprach, haben auch nicht gemerkt, dass sie sich eigentlich innerlich schon von Gott abgewandt hatten.
Mit seinen Worten zeigt Ezéchiel, dass Gott gnädig ist, und immer wieder die Chance eröffnet umzukehren. Jesus nagelt den zweiten Sohn nicht auf sein erstes Nein fest. Er sieht, was der zweite Sohn tut. Jesus sieht, wo wir uns von unserem Nein abwenden, wo wir immer mehr in dem Willen Gottes hineinwachse.
Zum Abschluss noch eine kleine Geschichte zum Schmunzeln:
Die Hose

Ein Mann in besten Jahren hatte sich eine Hose gekauft. Sie gefiel ihm sehr gut, wenn auch die Hosenbeine um etwa drei Zentimeter zu lang waren. Er dachte sich: Ich habe in meinem Haushalt drei Frauen; eine von ihnen wird die Kürzung besorgen. Zu Hause hängt er die Hosen an einen Haken und trug seiner Frau sein Anliegen vor. Doch diese war gerade nicht in bester Stimmung und zeigte ihm die kalte Schulter. Auch bei der Schwiegermutter konnte er nicht landen. Sie war in eine Lektüre vertieft und wollte sich nicht stören lassen. Als er ihr Zimmer verließ, stieß er im Hausflur auf seine Tochter. Es sah so aus, als hätten sich die Damen abgesprochen, denn auch die Tochter erklärte, dass ihr die Sache sehr ungelegen käme, da sie gerade ausgehen wolle. Das packte den dreimal Abgewiesenen der Zorn. Lautstark erklärte er, dass mit ihm vor Mitternacht nicht zu rechnen sei, und schlug hinter sich die Haustüre zu.

Es dauerte nicht lange, bis die Ehefrau erkannte, dass jetzt etwas geschehen musste. Unauffällig griff sie nach der Hose, nahm die Kürzung vor und hängte sie an ihren Platz zurück. Auch in der Schwiegermutter wuchs die Reue. Geräuschlos schlich sie nun zur Hose und schnitt drei Zentimeter weg. Als die Tochter gegen 23 Uhr nach Hause kam und die Hose am Haken hängen sah, war auch sie bereit, ihre Gesinnung zu ändern. "Jetzt wird er sich freuen", dachte sie, als sie die Arbeit beendet hatte. Und wie er sich bei seiner Rückkehr freute …

P. Paul Mühlberger SJ