02.08.2015

18. Sonntag im Jahreskreis
Joh 6,24-35

Drei Arten Brot
Das heutige Evangelium bildet die Einleitung zu einer Rede Jesu, die von den Bibelwissenschaftlern überschrieben wird mit: „Die Brotrede Jesu“. Von drei unterschiedlichen Arten des Brotes ist die Rede.
Weil ihr von dem Brot gegessen habt, das euch bei der Brotvermehrung gereicht wurde, kommt ihr neu zu mir, sagt Jesus. Dieses Brot gehörte dem täglichen Brot an, womit der Hunger des Leibes gestillt wird und das dem Körper neue Kräfte verleiht.
Als nächstes Brot wird das Manna genannt. Auf ihrem Weg durch die Wüste - nach dem Auszug aus Ägypten - geriet das Volk Gottes in große Not. Das Brot war ausgegangen, Nahrung irgendwelcher Art weit und breit nicht zu finden. Zurück nach Ägypten in die fruchtbare Nillandschaft!, schrie das Volk. Auf das Gebet und die Bitte des Moses hin gewährte Jahwe seinem Volk „Brot vom Himmel“, das Manna. Es ist ein direktes Geschenk Gottes an seine Auserwählten für die Zeit der Not und zum Überleben. Jeder sollte nur so viel an Manna einsammeln, wie er für einen Tag benötigte. Schon hier, beim Aufruf zum Verzicht aufs ängstliche Raffen und Horten, wird dem Gottesvolk ein großes Vertrauen in ihren Gott abverlangt, auf das Jesus später für sich zurückgreift.
Die dritte Form des Brotes drückt Jesus aus mit den Worten: „Ich bin das Brot des Lebens“. Dieser Satz fordert für sein Verstehen zum Innehalten und Nachdenken heraus. Das Manna, als Brot vom Himmel, hatten die Menschen erhalten für ihren Körper, um den leiblichen Hunger zu stillen. Jesus, der vom Himmel herabsteigt in einer Zeit, da keine Hungersnot herrscht, offenbart sich als Brot vom Himmel für die Seele. Er will sich denen schenken, die innerlich hungern und dürsten, die ein Leben ersehnen, wo auch das hungernde Herz und die Seele Nahrung finden und neue Kraft gewinnen.
Brot, das Kraft zum Guten gibt
Die Zeichen und Wunder, die Jesus wirkt, seine Lehre und seine Gleichnisse, so sollen wir Menschen verstehen lernen, sind nur die Hülle, in die eingeschlossen ist, was Jesus als Brot schenken möchte: Seine Gnade, sein Erbarmen und vor allem sein Eins-Werden mit uns. Verkünder des Willens Gottes waren auch die Propheten. Wundertäter gab es vor und zur Zeit Jesu. Menschen, die sich der Not und dem Leid ihrer Mitmenschen annahmen, gab es ebenfalls mehrfach. All das übernimmt Jesus in seinem Auftreten und Wirken, weil es für die Menschen, unter denen er lebt, gut ist und ihre Not lindert; aber Zeichen und Wunder treffen nicht den innersten Kern seiner Herabkunft vom Himmel. Jesus ist mehr als ein Prophet, der den Willen Gottes verkündet. Er ist mehr als ein Wundertäter, der körperliche Gebrechen heilt und Dämonen das Handwerk legt. Er ist die Kraft, ist das Brot, die Energie, die wir Menschen für unsere Seele benötigen.
Auch wenn es den Menschen schwer fiel, dieses Bild Jesu vom Brot, das er selbst ist, nachzuvollziehen, ringt Jesus bei seinen Zuhörern darum, ihm Glauben und Vertrauen entgegen zu bringen. Wer sich vom Brot, das Jesus ist, speisen lässt, spürt die Kraft in sich, die darauf drängt, das Gute zu erstreben. Er wird Mühe nicht scheuen, vereint mit Jesus durch Dick und Dünn gehen und den Glauben daran nicht aufgeben, dass das Gute es wert ist, um seiner selbst willen angestrebt zu werden. Er wird überzeugt sein, dass sich das Gute am Ende als siegreich erweist. Das Gute, das wir vollbringen, mag wie bei Jesus gedemütigt, gegeißelt oder gar gekreuzigt werden, es wird am Ende auferstehen. Daran sollen wir glauben und das Gute immer wieder wagen.
Wenn Jesus als Brot von uns in unser Inneres aufgenommen wird, werden jene Kräfte gestärkt, die über das körperliche Dasein und Wohlbefinden hinaus zu beglückendem Leben beitragen. Selbst Ärmere und Arme, Kranke und Angeschlagene können an diesem beglückenden Leben teilhaben. Das Lebensbrot, Jesu Eins-Sein mit uns, schenkt Kraft für Versöhnung und Frieden, lebt das Miteinander und Füreinander, lässt nicht von der Wahrheit, setzt sich ein, verhindert Schaden, lässt sich die Liebe vieles kosten, hat den Nächsten liebevoll im Blick, wird selbst wieder zum Brot für viele.
Kraft aus dem Einswerden mit Jesus
Das Brot, das Jesus ist, lässt sich nicht in die Hand nehmen wie das tägliche Brot oder das Manna. Aber wir spüren seine Kraft, wenn wir uns im Eins-Werden und Eins-Sein mit Jesus von ihm speisen lassen. Ob Jesus Brot für uns wird, hängt davon ab, ob wir Hunger auf ihn entwickeln. Den Menschen, von denen im Evangelium berichtet wird, sagt Jesus: Ihr sucht mich, weil ihr bei der Brotvermehrung auf einfache Weise satt wurdet. Aber ich bin nicht als ein „Brotkönig für die Notfälle“ zu euch gekommen.
Mit welchem Ziel, so müssen wir uns fragen, suchen wir Jesus auf? Ganz sicher will er für uns ein Helfer in der Not sein. Wir dürfen ihm unsere Nöte und Sorgen, Leiden und Schicksale anvertrauen und auf seine Hilfe hoffen. Nur ist das schon alles, was wir von Jesus erwarten – seine Hilfe für uns? Jesus sagte den Menschen damals: Glaubt an mich, dann wird euer Hunger und Durst gestillt. Der Glaube an Jesus erschöpft sich nicht in der Bitte um Hilfe in der Not. Lebendiger Glaube an Jesus weckt in uns ein starkes Sehnen und Verlangen nach Lebenszielen, die dazu beitragen, unserem Leben Wert zu geben und mitzubauen an einer Welt, in der Wohlwollen und Miteinander das Klima bestimmen.
Drei Ziele
Machen wir uns in diesem Zusammenhang deutlich: Wir können unser Leben grob mit drei unterschiedlichen Zielen versehen.
1. Ziel: Nöte, Leid, Sorgen von uns fernhalten oder uns aus ihnen befreien,
2. Ziel: das Positive und Schöne, das uns das Leben anbietet und gewährt, auskosten,
3. Ziel: intensiv und gezielt anstreben, was unser Leben wertvoll macht.

Dass Jesus ein Helfer in der Not war, hatten die Menschen infolge der Wunder, die er gewirkt hatte, erlebt. Viele von ihnen gingen nach erlangter Hilfe aus ihrer Not wieder ihrer Wege. Jesus möchte seine Zuhörer dahin führen, bei der Bitte um Hilfe aus der Not nicht stehen zu bleiben, sondern auch den dritten Schritt zu tun. Er ist das Brot, die Kraft, die Energie, mit der wir Menschen etwas Wunderbares aus uns und unserem Leben machen können, nämlich: liebenswerte, hilfsbereite, verantwortungsbewusste, versöhnliche Menschen. Aber nur wenn wir danach hungern und dürsten, werden wir uns mit diesem Anliegen immer wieder an Jesus wenden.
Lassen wir uns vom Evangelium und Jesus einladen, uns neu zu überprüfen, wer Jesus für uns ist: nur ein Helfer in der Not oder auch Brot für unsere Seele? Jesus möchte Nahrung und Brot sein für die Seelen, die danach hungern, das Gute, Beglückende und Wertvolle in reichem Maße zu erstreben. Zu diesen Menschen sollen auch wir zählen. Das möchte Jesus bei uns erreichen.

P.Paul Mühlberger SJ
Quelle Pallotiner

09.08.2015

19. So im Jahreskreis
1 Kö 19,4-8
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Von Gott gehalten

An der Lebensgeschichte des Propheten Elija sehen wir, dass Gott mit uns durch Höhepunkte und Krisen des Lebens geht und uns trägt. Um jedoch von Gott gehalten werden zu können, ist es notwendig, dass wir an ihm festhalten.



Der Prophet Elija
In der ersten Lesung wird heute eine Episode aus dem Leben des Propheten Elija geschildert. Und Elija gilt als ein ganz besonderer Prophet. Er lebte im 9. Jahrhundert v. Chr., also noch in der Zeit vor dem Exil. Im Nordreich nimmt sich König Ahab keine Israelitin zur Frau, sondern eine Phönizierin. Für uns heute erscheint das nicht als etwas Besonderes, aber Israel war von JHWH aufgetragen worden, sich nicht mit den anderen Völkern zu vermischen und nur ihn allein zu verehren. Diese Alleinverehrung JHWH’s war der Beginn aller monotheistischer Religionen und hebt eben die Israeliten von seinen Nachbarvölkern ab. Und das war auch das Problem: Isebel, die Frau des israelitischen Königs, verehrte den Gott Baal und brachte auch seinen Kult mit. Und es war damals nicht anders als heute: Viele Israeliten waren nicht fest in ihrem Glauben verankert und fielen von JHWH ab und verehrten ebenfalls Baal und brachten ihm Opfer dar. So etablierten sich die Baalspriester und ihre Religion in Israel.

In dieser Zeit sandte Gott Elija, einen Mann aus Tischbe, um sein Volk wieder zum einzig richtigen Glauben zurückzuführen. Seine Lebensstationen sind Ihnen sicher aus den verschiedenen Lesungen bekannt und ich will Sie Ihnen nur im Zusammenhang in Erinnerung rufen, damit wir die heutige Lesung verstehen können. Da gibt es die Begegnung mit der Witwe aus Sarepta, die während der großen Hungersnot das Stück Gebäck, das sie mit ihren letzten Vorräten an Öl und Mehl bäckt, mit dem Propheten teilt. Als Lohn dafür lässt JHWH ihren Vorrat an Öl nicht ausgehen, aber ihr Sohn stirbt. Elija kann seinen Gott nicht verstehen, dass er solches Leid dieser Frau beschert, und hadert mit Gott solange bis er ihm die Kraft gibt, ihren Sohn wieder zum Leben zu erwecken.

Mit Feuer und Schwert für JHWH
Die bestehende Hungersnot ist für die Israeliten aussichtslos, da kein Regen fällt und auch keine kommende Ernte zu erwarten ist. Elija, der stets die Israeliten zum wahren Glauben an JHWH zurückführen und von Baal abbringen will, schlägt eine Opferhandlung an zwei Altären vor. Je ein Stier soll zerteilt werden und als Opfer an je einem Altar angerichtet werden und welcher Gott, durch das Entzünden des Feuers zeigt, dass er das Opfer annimmt, ist der wahre Gott. JHWH nimmt das Opfer Elijas an und die Baalspropheten sind die Blamierten. In seinem menschlichen Übereifer lässt Elija daraufhin eine große Schar der Baalspropheten hinrichten. Das ist eine jener Stellen im AT, die wir mit unseren heutigen moralischen Maßstäben nicht verstehen können. Und doch ist uns ein solches Handeln gerade in unserer Zeit nicht wirklich fremd.

Nur ein Beispiel der vergangenen Woche: Radikale israelitische Siedler schleichen sich um 2 Uhr nachts in ein palästinensisches Dorf und werfen Brandsätze in zwei Häuser, in denen Familien schlafen. Sie sprühen vorher noch ein Graffiti auf die Wand mit einem Davidstern und dem Spruch: „Lang lebe der König Messiah!“ Schwer verletzt kann der palästinensische Vater seine Frau und den 4-jährigen Sohn Ahmad retten, sein 1 ½ jähriger Sohn Ali verbrennt in den Flammen. Daraufhin erklärt die Hamas: „Jeder Israeli sei nun ein legitimes Ziel geworden.“ So dreht sich die Spirale der Gewalt immer weiter.

Aber das alles passiert nicht nur tausende Kilometer von uns entfernt. Ich erinnere nur an die Hasspostings gegen Flüchtlinge bei uns. Und sind wir ehrlich Hass und Rachegelüste sind auch in unserem engeren Lebensraum nicht gar so fremd. Wir sind alle versucht, über das Ziel hinauszuschießen und nicht sachlich und ruhig Konflikte anzusprechen und auszutragen, sondern emotional über zu reagieren. Wir wünschen einander Frieden und denken oft zu wenig daran, dass er im eigenen Haus anfangen muss.

Rückzug in die Depression
Nach diesem Vorfall geht es Elija auch nicht wirklich gut. Er beweist zwar noch in der Heraufbeschwörung von Regen und damit dem Ende der Hungersnot die ihm von JHWH verliehene Macht, aber er selbst zieht sich ausgebrannt und deprimiert unter den Ginsterstrauch zurück, wie wir es heute in der Lesung gehört haben. Er meint, jetzt ist alles aus, für ihn selbst geht es jetzt nicht mehr weiter. Aber sein Gott, JHWH, ist auch weiter an seiner Seite. Er schickt ihm Boten, Engeln, die ihn für eine neue Gotteserfahrung stärken.

Gerade jetzt in dieser Situation, wo Elija an sich zweifelt und sein eigenes Leben genauso bedroht ist wie das der Baalspropheten, die er umbringen ließ, führt ihn Gott auf den Berg Horeb. Dort erweist er sich als der ganz andere Gott als der JHWH, den Elija zu kennen meinte. Elija erwartet die Gotteserscheinung am Berg Horeb im Sturm, im Erdbeben und dann im Feuer, das er dort erlebt. Aber Gott begegnet ihm in einem leisen Säuseln. Er, der sein ganzes Leben in den Dienst JHWH’s gestellt hat und gemeint hat, seinen Gott zu kennen, erfährt, dass JHWH die Machtbeweise von Sturm, Erdbeben und Feuer nicht braucht. Elija, der in den Stunden tiefster Verzweiflung JHWH’s Hilfe annehmen konnte, ist und bleibt offen für seine Beziehung zu Gott.

Das Ende dieses Gottesmannes ist ebenso außergewöhnlich wie sein Leben. Nachdem Gott seinen Nachfolger berufen hat, stirbt Elija keinen gewöhnlichen Tod, sondern wird in einem Wagen mit feurigen Pferden in den Himmel entrückt.

Sich an Gott festhalten
Was können wir uns aus dieser Lesung heute mitnehmen? Tiefste Verzweiflung an uns selbst und den anderen, den Lebensumständen, in denen wir uns selbst oft ungewollt, vielleicht auch unverschuldet wieder finden, ist uns bekannt. Sich in das eigene Schicksal einfügen oder darüber mit Gott hadern, das ist alles okay. Denn auch hadern können wir mit ihm nur, wenn wir an seine persönliche Gegenwart in unserem Leben glauben.

Und diesen Glauben gilt es unter allen Umständen zu bewahren, denn nur, wenn wir wie Elija auch in den tiefsten Stunden von Angst und Verzweiflung offen bleiben für ihn, kann er sich auch in unserem Leben als der ganz andere, der viel größere Gott erweisen. Wenn wir uns von ihm abwenden, geht das nicht. Dann wird es erst wirklich dunkel in uns. Es braucht in den Stunden der Glaubenszweifel nicht mehr als das, was Petrus einmal im Johannesevangelium zu Jesus auf die Frage gesagt hat: „Wollt auch ihr gehen? - Herr, zu wem sollten wir gehen?“

Quelle: Pallotiner Predigtdienst
P.Paul Mühlberger SJ

16.08.2015

20. So im Jahreskreis
Joh 6,51-58
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Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, nicht allein vom Brot dieser Erde, nicht allein von den Dingen und Sachen dieser Welt. Uns ist Bleibendes verheißen in dem Brot, das von Gott kommt. Es schenkt uns Leben über dieses Leben hinaus. Dieses Brot vermag unsern Hunger und Durst nach Leben in der Tiefe unseres Herzens zu stillen. Jesus allein, in dem der lebendige und Leben spendende Gott gegenwärtig ist, vermag unseren Hunger und Durst in der Tiefe unseres Herzens zu stillen.
Brot der Erde – Brot des Himmels

Jesus war immer wieder dem Missverständnis ausgesetzt, mit einem Brotmessias verwechselt zu werden, der die vordergründigen Bedürfnisse der Menschen befriedigen sollte. Als Jesus in der Wüste den Menschen zu essen gab, da wollten sie ihn zum König machen, der ihnen sozusagen auf königliche Weise zu Diensten war. Jesus weigerte sich jedoch und zog sich auf den Berg zurück, er allein. (Evangelium vom 17. Sonntag). Dann machten die Leute sich auf, ihn zu suchen. (Evangelium vom 18. Sonntag). Doch Jesus durchschaut ihre Absichten. "Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern von den Broten gegessen habt und satt geworden seid" (Joh 6, 26).

Ich bin das Brot des Lebens

Jesus weist dann auf das Brot hin, das Gott gibt und vom Himmel kommt und das der Welt das Leben schenkt" (Joh 6, 33). Daraufhin bitten ihn die Leute: " Gib uns immer dieses Brot!". Und Jesus antwortet ihnen: "Ich bin das Brot des Lebens" (Joh 6, 34f.). Im heutigen Evangelium bezeugt Jesus wiederum von sich: "Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brote isst, wird leben in Ewigkeit. Das Brot, das ich euch geben werde, ist mein Fleisch. Ich gebe es hin für das Leben der Welt" (Joh 6, 51). Jesu Fleisch essen und sein Blut trinken, wie sollen wir das verstehen, ohne uns, wie die Juden damals, darüber zu empören? Wenn Jesus später im Abendmahlsaal beim Darreichen des Brotes sagt. "Das ist mein Leib", so will er damit ausdrücken: Das bin ich für euch! Mit dem Wort "Das ist mein Blut, das vergossen wird", deutet Jesus auf seinen Tod hin: Das bin ich für euch, der ich gewaltsam, unter Vergießen meines Blutes, getötet werde. Unter den Zeichen von Brot und Wein bekundet Jesus sein Sich-hingeben für das Leben der Welt.

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein

Obwohl Jesus gekommen ist, das Brot zu bringen, das von Gott kommt, hat er dennoch die Menschen mit dem Brot dieser Erde gesättigt. Zu seinen Jüngern sagt er vor der wunderbaren Brotvermehrung: "Ich habe Mitleid mit diesen Menschen, sie sind schon drei Tage bei mir und haben nichts mehr zu essen. Ich will sie nicht hungrig wegschicken, sonst brechen sie unterwegs zusammen" (Mt 15, 32). Jesus missachtet nicht unsere irdischen Bedürfnisse. Doch er legt uns nahe, das Wichtige vom weniger Wichtigen zu unterscheiden. Das Vergängliche vom Bleibenden. Jesus will Prioritäten setzen. "Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt", sagt er dem Versucher in der Wüste und widersteht damit der Versuchung in ihm selbst, den Menschen nur irdische Güter bringen zu wollen (Mt 4, 5).

Wenn Jesus das Brot ist, das vom Himmel gekommen ist und uns ewiges Leben schenkt, dann müsste ich mich fragen, was mir das Brot dieser Erde bedeutet. Brot kann dann auch stehen für Konsum, Komfort, Besitz. Welchen Stellenwert haben sie in meinem Leben? Unter welchen Zwängen der Konsum- und Leistungsgesellschaft erfahre ich mich? Wovon werden meine Bedürfnisse gesteuert? Und wie kann ich dagegen steuern? Nun sind Konsum und Besitz ja nicht vom Teufel. Es gibt nichts in Gottes Schöpfung, was in sich schlecht wäre. Es käme nur darauf an, welchen Sinn ich ihnen gebe.

Mein Brot ist nicht nur mein Brot

Was ich mein Eigen nenne, gehört nicht allein mir. Ich kann nicht so leben, als gäbe es nicht der Hunger in der Welt. Ich kann nicht so leben, als gäbe es nur mich in der Familie, in der Gemeinschaft. Müsste ich dann nicht hin und wieder meine Bedürfnisse reduzieren? Weil es neben mir die anderen Menschen gibt mit ihren berechtigten Bedürfnissen. Was nicht bedeutet, dass ich mir nicht auch etwas leisten kann, was über das Notwendige hinaus geht. Der Mensch ist im Unterschied zum Tier nicht darauf programmiert, lediglich seinen Hunger stillen zu müssen. Dies gilt auch für das, was ich besitze. Ich darf mich dessen freuen. Aber auch hier kann ich meinen Besitz nicht unabhängig sehen von meinen sozialen Beziehungen. Wo ich etwas besitze, bin ich immer in der Gefahr, Sachen über Personen zu stellen. Beispielsweise die Frage: Welche Bedeutung messe ich meinem Auto zu? Es soll Männer geben, die ihr Auto mehr lieben als ihre Frau.

Der Wirtschaftswissenschaftler A. Tautscher hat unser gängiges Konsum- und Besitzverhalten ironisierend und sicher etwas verallgemeinernd auf den Nenner gebracht: "Man kauft etwas, was man nicht braucht; mit dem Geld, was man nicht hat; um denen zu imponieren, die man nicht mag". Ja, es gibt so etwas wie einen "zivilisierten Futterneid". Wer fährt den flotteren Wagen, wer trägt den neuesten Look, wer besitzt die kostspieligsten Möbel?

Beim Besitz, auf dem ich nicht sitzen darf, denke ich nicht nur an den materiellen Besitz; vielmehr auch an meine "geistigen Besitztümer", an meine Begabungen. Wie weit teile ich sie mit andern, wie weit kommen sie anderen zugute? Ein behinderter Mensch hat einmal gesagt: "Was wir haben und was wir nicht haben, gehört uns gemeinsam, und das reicht denn auch für uns alle." Es gibt keinen unter uns, der nicht auf die materiellen und geistigen Güter anderer angewiesen ist. In einem Gedicht von Martin Walser, das überschrieben ist: Grund zur Freude, ist zu lesen: "Grund zur Freude: Dass mehr wird, was ich mit anderen teile. Dass mich, was ich allein habe, nicht freut. Der Mund des Gastes macht den Wein erst gut." Für Konsum und Besitz und für den richtigen Umgang mit ihnen könnte die Maxime lauten: Menschen über Sachen stellen!

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, nicht allein vom Brot dieser Erde, nicht allein von den Dingen und Sachen dieser Welt. Uns ist Bleibendes verheißen in dem Brot, das von Gott kommt. Es schenkt uns Leben über dieses Leben hinaus. Dieses Brot vermag unsern Hunger und Durst nach Leben in der Tiefe unseres Herzens zu stillen. Jesus allein, in dem der lebendige und Leben spendende Gott gegenwärtig ist, vermag unseren Hunger und Durst in der Tiefe unseres Herzens zu stillen. "Wer zu mir kommt", sagt Jesu, "wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben" (Joh 6, 35).
Text nach Felix Schlösser
P. Paul Mühlberger SJ

23.08.2015

21. So im Jahreskreis
Joh 6, 60-69

Nun ist es passiert Viele seiner Jünger trennen sich von ihm. Nach der Rede Jesu über Glaube, Brot und Leben in der Synagoge von Kafarnaum verlassen ihn die meisten Jünger. Jesus stößt mit seiner Botschaft bei den Menschen an seine Grenzen. Das ist fast ein wenig tröstlich bei all den Begrenzungen, die wir ertragen müssen. Wir kommen an Grenzen weil das Evangelium nicht zwingend und anstößig zugleich ist. Der Anstoß beginnt schon dort, wo Jesus behauptet, von Gott in diese Welt gesandt zu sein, obwohl seine Heimatstadt Nazaret allen bekannt ist; und er endet mit seiner Behauptung, dass nur er den Zugang zu Gott eröffne.
An die wenigen die bei ihm blieben stellt Jesus eine einfache Frage: „Wollt auch ihr weggehen?“ Er will die Menschen nicht mit Gewalt an sich binden und versucht auch nicht, die Weggehenden zum Bleiben zu überreden. „Wollt auch weggehen?“ Das ist keine rhetorische Frage. Sie ist ernst gemeint. Sie stellt es tatsächlich jedem frei, zu bleiben oder zu gehen. Irgendwo habe ich einmal den Spruch gelesen, der lautet: „Gott lädt ein, er zwingt keinen“. Das Gehen ist vielleicht gar nicht so schwer, aber damit ist es nicht getan. Die Frage ist: Wohin sollen wir gehen? Sterne fallen, Ideale ermatten. Große Worte und Parolen werden leer. Tote Worte und Namen gibt es genug. Aber Worte des Lebens?
So müssen wir uns wieder einmal ehrlich die Frage nach unserem Glauben stellen. Seien wir ehrlich, wenn wir diese Frage stellen. Sie soll zu einer Klärung führen. Lassen sie ihre Zweifel ruhig aus sich heraus statt sie ins Unterbewusstsein zu verdrängen. Vielfach haben wir unseren Glauben wie eine Selbstverständlichkeit übernommen wie ein altes Erbstück und behüten ihn wie in einer Glasvitrine. Was ist mit unserem Glauben? Ist er vielleicht doch nur eine Einbildung, eine nützliche Krücke für die Psyche von Lebensuntüchtigen, ein Trostpflaster für Zeiten der Not? Behindert er nicht, aufs Ganze zu gesehen, ein ungezwungenes Leben oder macht es sogar unmöglich?
Zweifel begegnen wohl jedem von uns. Sie werden nicht zuletzt durch die Vorwürfe ausgelöst, die an uns herangetragen werden. So wird gelegentlich behauptet, die christliche Hoffnung sei nichts anderes als ein fauler Trick, um den eigentlichen Lebensproblemen ausweichen zu können. Ist es ein Auseichen, wenn wir uns in unserer Unsicherheit die Fragen stellen, die die gesamte denkende Menschheit immer bewegt hat, die Frage nach dem Sinn unseres Lebens und was uns nach unserem Tod erwartet? In Wirklichkeit spielt sie ja eine zentrale Rolle auf dem Markt der Weltanschauungen.
Da gibt es einmal die kollektivistischen Ideologien verschiedenster Art. Nicht
Nur der Materialismus, sondern auch manche modische Sekten meinen, Ziel und Sinn meines Lebens liege vor allem im Einsatz für das Glück künftiger Generationen. In die entgegengesetzte Richtung zielt der „Konsumismus“, plattmaterialistisch geprägt und pseudoreligiös verbrämt, in allerlei Subkulturen vertreten und vor allem ganz unreflektiert von der Mehrheit unserer Wohlstandsgesellschaft praktiziert. Sein Dogma lautet: „Der Sinn des Lebens liegt im Genuss des Einzelnen. Jeder mag für sich selber sorgen. Was morgen ist soll uns heute noch keinen Kummer machen. Das ist auch keine befriedigende Antwort.
Kein Wunder, dass sich viele Enttäuschte lebensverdrossen einem Fatalismus ergeben. Sie sagen: Das ist nun einmal so, dass der Mensch ein paar Jahre lebt und dann stirbt. Und eines Tages geht es mit der ganzen Welt zu Ende.
Besonders verführerisch sind auch die Antworten mancher Wissenschaftstheoretiker, die darauf verweisen, dass die Frage nach dem Sinn des Lebens sinnlos sei, da doch keine der denkbaren Antworten beweisbar sei. Es ist das die typische Haltung der Agnostiker, die den Standpunkt vertreten: Man kann nichts darüber wissen! Das ist wohl die bequemste und geistloseste Antwort, die wir auf die Frage nach dem Sinn des Lebens geben können. Gibt es doch schon für einen Menschen, der mit halbwegs wachen Sinnen die Schöpfung wahrnimmt sehr deutliche Hinweise, die die Frage nach Gott und die Sinnhaftigkeit des Lebens wach werden lassen. Allein ein Blick auf die Dichtung, die Literatur und den Film der Gegenwart zeigt, dass sich die Sinnfrage nicht unterdrücken lässt.
Wir folgen mit unserem Glauben an Jesus und seine Verheißungen vielen Generationen vor uns und den vielen Glaubenszeugen in der Geschichte der Kirche, abgesehen von der Tatsache, dass es im Laufe der Menschheitsgeschichte keine Epoche gegeben hat in der die religiöse Sinnfrage nicht im Mittelpunkt gestanden wäre.
Leider müssen wir bei einem ehrlichen Blick auf unsere Zeitgenossen merken, dass Fragen die über das Materielle hinausgehen kaum mehr Aufmerksamkeit erregen. Die Oberflächlichkeit vieler Menschen ist besorgniserregend und darum dürfen uns nicht wundern, dass wir in der heutigen Zeit Kräften ausgeliefert sind, denen zu widerstehen uns die geistige Kraft fehlt. Dem Leben, das Jesus schenken möchte haben sich die Menschen verschlossen, ihre Frage und Probleme führen sie nicht mehr zum göttlichen Lebensspender sondern zu Scheinzufluchten wie es besonders die Flucht in die Droge ist.
Unser europäisches Christentum befindet sich in einer gefährlichen Starre, in einer Mutlosigkeit wenn es darum ginge notwendige Veränderungen herbeizuführen, wo selbst der Heilige Vater bei nötigen Neuaufbrüchen immer wieder Widerstand erfährt. Das Paulus einmal gesagt hat, dieses mahnende Wort: „Löscht den Geist nicht aus“ sollte uns eine Mahnung sein. Statt eine Stagnation einzufordern, auf alten Regeln, die die Zeit überholt stecken zu bleiben, wären in vielen heutigen Fragen neue Wege zu beschreiten. Wohl gemerkt, es geht hierin nicht um einen Einbruch in unsere Glaubenswerte, sondern darum, dass wie sie in der heutigen Zeit leben und integrieren.
Jesus, der uns das Leben verheißen hat, er beschritt in seiner Zeit revolutionäre Wege, sonst hätten sich nicht so viele von ihm getrennt. Er hat in die versteinerte Religiosität des jüdischen Volkes ein neues Leben eingepflanzt, seinen Hl.Geist in die Menschen hineingeworfen.
Möge dieser Geist in unserer Zeit alle Ängste überwinden und die allzu Furchtsamen im Hl. Geist stärken. Amen.

P. Paul Mühlberger SJ

30.08.2015

22. Sonntag im Jahreskreis
Jak 1, 17-18.21b-22.27
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Es gibt Worte der Bibel, über die lesen wir hinweg. Sie bleiben an unserer Oberfläche hängen und dringen nicht in die Tiefe, werden nicht lebendig. Was Jakobus in unserer Lesung schreibt, das ist ein solcher Satz. Hören wir ihn noch einmal mit unserer ganzen Aufmerksamkeit: „Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Gestirne, bei dem es keine Veränderung und keine Verfinsterung gibt.“
Im Leben eines jeden von uns gibt es diese guten Gaben und diese vollkommenen Geschenke. Sie können vielfältiger Art sein: Freude an einem schönen Musikstück, die Nähe eines geliebten Menschen, ein sonniger Urlaubstag. Was uns fehlt ist, dass wir vergessen die Beziehung zu Gott herzustellen. Und wo könnte unsere Spurensuche nach Gott besser beginnen als mit unseren ureigensten Erlebnissen. Diese sind es, in denen uns Gott trifft und anspricht.
Rainer Maria Rilke hat in seiner Lyrik eine Strophe geschrieben, die eine Beziehung zu Gott in seinem Leben uns übermittelt. Er schreibt:

Du bist so groß, dass ich schon nicht mehr bin,
wenn ich mich nur in deine Nähe stelle.
Du bist so dunkel; meine kleine Helle
an deinem Saum hat keinen Sinn.
Dein Wille geht wie eine Welle
und jeder Tag ertrinkt darin.

Nur meine Sehnsucht ragt dir bis ans Kinn
und steht vor dir wie aller Engel größter:
ein fremder, bleicher und noch unerlöster,
und hält dir seine Flügel hin.

Rilke hat hier eine Erfahrung mit Gott gemacht, eine Erfahrung, die auch jedem von uns offensteht, vorausgesetzt, wir begeben uns auf die Suche nach diesem geheimnisvollen Gott, der sich uns geoffenbart hat und zugleich immer wieder verbirgt. Irgendein Erlebnis hat Rilke die Größe Gottes gezeigt und er hat seine eigene Kleinheit erkannt. Und ich halte diese Erkenntnis auch für unser eigenes Leben für sehr wichtig und bedeutungsvoll. Während sich heute viele Menschen selbstbewusst fühlen, nicht über sich anerkennend, müsste ein Mensch von heute doch auch dazu fähig sein, seine Gebrechlichkeit und seine Kleinheit im Universum und vor allem vor Gott anzuerkennen. Diese Erkenntnis bringt den Menschen in Die Situation eines dankenden und eines bittenden. Nur Gott dem Menschen zeigen, wer er ist. Denn was der Mensch ist, das ist er durch die mitteilende Liebe Gottes. Jakobus drückt das in dem kurzen Satz unüberbietbar aus: Wir sind gleichsam die Erstlingsfrucht seiner Schöpfung.
Nur der Mensch verleiht der Schöpfung eine Stimme, nur der Mensch kann loben und kann danken, nur der Mensch kann dem Schöpfergott eine angemessene Antwort geben, ohne ihn bleibt das Universum stumm. Vielleicht schenkt uns Gott in einem gnadenhaften Augenblick einmal das Staunen über diese Tatsache.
Nun wird aber Jakobus gleich konkret. Unsere Erwählung durch Gott und unsere Auszeichnung im Rahmen der ganzen Schöpfung birgt eine große Verantwortung in sich. Jakobus sagt: Hört euch das nicht nur an, sondern handelt danach. Es wäre entschieden zu wenig, uns nur zu sonnen in unserer geschenkten Würde. Wir müssen uns den Blick für die konkrete Not um uns herum bewahren, wir haben Sorge dafür zu tragen, dass sich das Gute in der Welt durchsetzt. Nicht nur unsere eigene Heiligung ist uns aufgegeben, sondern die Heiligung der Welt. Eine schier unerfüllbare Aufgabe; aber sie wäre es nicht, wenn alle Christen und alle gutdenkenden Menschen in ihrem Leben das umsetzen würden, was sie in ihrem Herzen glauben.
Denken wir daran, dass am Ende der Eucharistiefeier, nachdem wir unsere Gaben dargebracht haben, die in Jesu Gegenwart gewandelt wurden, der Auftrag steht: Gehet hin in Frieden! Das ist kein Auftrag für eine erholsame Wochen, das ist ein Aufruf zur Aktion. Alle Energien unseres Lebens sollten eingesetzt werden, damit sich die Botschaft Jesu in dieser Welt mehr und mehr durchsetzt. Wenn sie sich bloß im eigenen Herzen festgesetzt hat, wäre das zu wenig.
Im Evangelium von heute geht es wesentlich um die gleiche Aussage. Sehr energisch geht Jesus hier mit den sogenannten Frommen um, die nach außen alle Gesetze peinlich genau einhielten. Jesus wischt all ihre sogenannte Frömmigkeit hinweg, denn das Wesentlich haben sie vergessen: Die Verehrung Gott allein mit den Lippen ist zu wenig, wenn das Herz nicht dabei ist. Wir dürfen uns aber bei den Anklagen Jesu nicht einfach auf eine Volksgruppe einschießen, die zur Zeit Jesu einen großen Einfluss hatte. Die Haltung des Pharisäers infiziert uns selbst immer wieder in unserer Selbstgerechtigkeit und in unserem „Da kann man halt nichts machen!“ Jesus tadelt in den Pharisäern auch uns, die wir unsere kleinen Taten nicht tun, weil wir für die großen zu schwach sind. Jesus tadelt uns, wenn wir die Hände in den Schoß legen und einfach nur abwarten.
Wenn wir die Bibel aufmerksam lesen, so fällt uns auf, wie sich Gott um den Menschen bemüht, wie er ihn auf seine Größe hinweist aber auch auf seine Gebrechlichkeit, wie er ihm seine Möglichkeiten zeigt, aber auch seine Irrwege und sein Versagen. Und von all dem müssen wir uns ansprechen lassen, damit wir langsam dahinter kommen, dass Gott gar nicht so weit weg von uns ist. Und so möchte ich zum Schluss noch aus dem Stundenbuch von Rainer Maria Rilke eine kleine Stelle zitieren:

Du, Nachbar Gott, wenn ich dich manches Mal
in langer Nacht mit hartem Klopfen störe, -
so ist`s, weil ich dich selten atmen höre
und weiß: Du bist allein im Saal.
Und wenn du etwas brauchst, ist keiner da,
um deinem Tasten eine Trank zu reichen:
Ich horche immer. Gieb ein kleines Zeichen.
Ich bin ganz nah.

Nur eine schmale Wand ist zwischen uns,
durch Zufall; denn es könnte sein:
ein Rufen deines oder meines Munds -
und sie bricht ein
ganz ohne Lärm und Laut.
Aus deinen Bildern ist sie aufgebaut.

Wenn es nur einmal so ganz stille wäre.
Wenn das Zufällige und Ungefähre
verstummte und das nachbarliche Lachen,
wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,
mich nicht so sehr verhinderte am Wachen -:

Dann könnte ich in einem tausendfachen
Gedanken bis an deinen Rand dich denken
und dich besitzen (nur ein Lächeln lang),
um dich an alles Leben zu verschenken
wie einen Dank.



P. Paul Mühlberger SJ