neue Predigten

Donnerstag, 24. Mai 2018
200518


200518
Pfingsten
Jo 20, 19-23
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Unsere Kirche feiert verschiedene Fest, welche zum Herzen dringen, darunter drei sogenannte Hochfeste; aber während Weihnachten durch den Hl. Nikolaus, Maria Empfängnis und die Adventszeit, Ostern dagegen durch Aschermittwoch, Fastenzeit und Karwoche entsprechend angekündigt, vorbereitet, und gewissermaßen eingeläutet werden, ist Pfingsten ohne jeden klerikalen Countdown ganz plötzlich einfach da, und wenn man nicht genug aufpaßt erfährt man vom Pfingstfest nur die traurige Bilanz der Verkehrsunfälle auf unseren Straßen.
Während Weihnachten und Ostern die ganz großen Ereignisse eines Menschenlebens, Geburt und Tod behandeln, spielt Jesus Christus in Pfingsten gar nicht persönlich mit, es fehlt sozusagen der Hauptdarsteller und der Normalverbraucher weiß oft gar nicht, worum es bei diesem Fest so richtig geht.
Es gibt zu diesem Fest auch keine typischen Geschenke wie zu Weihnachten und zu Ostern. Es gibt nur das Geschenk des Geistes. Aber was sollen wir damit anfangen. Und so könnte man in Abwandlung zu Goethes Dichtung „Reineke Fuchs“ sagen: „Pfingsten, das schwierigste Fest war gekommen“.
Was fangen wir also mit dem Pfingstfest an? Zunächst müssen wir feststellen das Jesus das Kommen des Hl. Geistes als ein großes Geschenk an uns Menschen verstanden hat. In der Hl. Schrift wird der Geist Gottes unter zwei Bildern dargestellt: unter dem Bild des Sturmes und dem Bild des Feuers. Die Schilderung der Bibel will nicht eine Bildreportage sein, sondern will uns nur auf die wesentlichen Geschenke Gottes hinweisen, die wir durch den Hl. Geist erfahren. Wir wissen, was Wind oder Sturm ist. Ihn selbst sehen wir allerdings nicht, wir spüren nur seine Auswirkungen, wie er die Zweige der Bäume bewegt, wie wir uns gegen ihn anstemmen müssen um voranzukommen. Und auch das Feuer ist für uns ein deutliches Bild. Durch einen kleinen Funken entsteht es und es brennt, solange es etwas Brennbares gibt. Es spendet Licht und Wärme. Und wir erfahren aus dem Neuen Testament, dass die Apostel durch die Sendung des Hl. Geistes umgewandelt, verändert wurden.
Man könnte erklärend zum Pfingstfest auch sagen: Gott teilt von seiner Lebensfülle mit. Wie Wasser die Wüste zum Leben bringt, so wirkt Gottes Geist in der „Wüste“ menschlicher Not. Und so geht die Rede vom Heiligen Geist jeden an, der bewußt als Christ leben will. Die Sakramente der Taufe und der Firmung sind mit einer besonderen Geistgabe verbunden. Wie kann sie wirksam werden? Wie wird ein Mensch empfänglich für den Geist Gottes? Wie wird ein Mensch so, dass ein guter Geist, der Geist Gottes auch von ihm ausgeht?
Gottes Geist hat eine innere Dynamik in sich; wer von ihm erfaßt wird, kann nicht unbeweglich-starr bleiben, sondern wird in Bewegung gesetzt. Bewegung aber bedeutet Wachstum, Entwicklung, Veränderung - auch Korrektur, Loslassen von Altgewohntem. Oft gehört Mut dazu, seine Meinung zu korrigieren. Andererseits kann Veränderung auch Flucht vor sich selbst und vor der eigenen Überzeugung sein. Dann braucht es mehr Mut, beim Bisherigen zu bleiben als sich zu verändern. Gottes Geist wird in der Begegnung erfahren. Beziehung zum unsichtbaren Gott ist schwer; meist gelingt sie nur in der Begegnung mit dem sichtbaren Menschen. Jemand kann sich dem Geist Gottes öffnen, indem er auf den anderen zugeht - das kann ein Fremder oder ein Freund sein, daheim oder auf dem Arbeitsplatz oder sonstwo.
Zum Geist gehört Leidenschaft, aber nicht Fanatismus und Schwärmerei. Typisch für den Fanatismus ist Besessenheit von einer Idee, die jede andere Auffassung ablehnt. Schwärmerei lebt oft nur von Gefühlen, die so schnell wieder vergehen können wie sie gekommen sind. Der Geist Gottes in uns ist es auch, der uns verantwortlich macht für andere. Je mehr ein Mensch von der Nähe Gottes betroffen wird, umso mehr ist er auch befähigt, anderen von dem, was er selbst erfahren hat, mitzuteilen. Vom Geist Gottes heißt es auch, dass er das Angesicht der Erde erneuern will. Und das fängt beim einzelnen Menschen an. Dazu braucht es Bereitschaft, Offenheit und Tun. Aber das Eigentliche ist Geschenk Gottes. Die Begegnung mit Gottes Geist verwandelt und erlöst. Meist geschieht solche Erneuerung nicht in einem Augenblick, auch nicht allein bei der Firmung, sondern ein Leben lang Deshalb ist ein „geisterfülltes“ Leben spannend und voll von Überraschungen, aber auch mühsam.
Wie man sieht könnte uns das Pfingstfest auf allerhand wichtige Dinge in unserem religiösen leben aufmerksam machen. Gott hat uns nicht nur seinen Sohn geschenkt, damit er eine Zeitlang auf unserer Erde gegenwärtig war. Diese Gegenwart sollte fortdauern und zwar durch uns. Wenn sie meine Predigten regelmäßig gehört haben, wird ihnen aufgefallen sein, daß ich immer wieder darauf hingewiesen haben wie wichtig es ist, dass wir im Sinne Jesu unser Leben leben, sondern daß wir gleichsam ein zweiter Christus werden, dass die Gegenwart Gottes in dieser Welt auch durch uns hindurch sichtbar und spürbar wird.
Es hat einmal jemand gesagt, es sei einigermaßen gefährlich, um den Heiligen Geist zu bitten. Es könnte ja immerhin sein, dass er unser Beten und Bitten wörtlich nimmt und beginnt, uns zu verändern. Davor erschrecken wir ja immer wieder, denn im Grund unseres Herzen wollen wir keine Veränderungen, solange alles nach der alten Art und Weise doch irgendwie funktioniert. Dass der Geist Gottes manchmal spontane Wege geht, hat sich im Leben des Papstes Johannes XXIII. gezeigt. Er war selbst völlig überrascht, als ihm kaum drei Monate nach seiner Wahl zum Papst der Gedanke kam, ein Konzil für die ganze Kirche einzuberufen. Am 25. 1. 1959 teilte er seinen Plan der Weltöffentlichkeit mit. Die Reaktion war höchst unterschiedlich. Diejenigen, die vor jeder Erneuerung Angst hatten, fürchteten, es könnte sich in der Kirche etwas ändern. Es sei doch alles richtig in der Kirche, meinten sie. Andere jedoch sahen darin ein Zeichen der Hoffnung, weil sie erwarteten, dass sich endlich einiges ändern werde. Der Papst selbst sagte, dass ihm die Idee zum Konzil vom Geist Gottes geschenkt worden sei. Als ein Kardinal ihn fragte, was das Konzil solle, öffnete der Papst die Fenster und erwiderte Nur: „Frische Luft“.
Tatsächlich hat das 2. Vatikanische Konzil die Kirche verändert wie kein anderes Ereignis in diesem Jahrhundert. Sie nahm Abschied von vielen veralteten Vorstellungen und beschloß, neue Wege zu gehen. Die Beziehungen zu den anderen Religionen wurden verbessert. Das Verhältnis zu den Juden wurde auf eine neue Basis gestellt. Die Gewissensfreiheit wurde proklamiert. Die Liturgie wurde erneuert und die Feier der Eucharistie in der Landessprache erlaubt. In den Kulturen der Dritten Welt begann das Christentum nach dem Konzil heimisch zu werden. Dort teilen die Christen seither die Zeit so ein: vor dem Konzil - nach dem Konzil. Johannes XXIII. hat den Abschluß des Konzils nicht mehr erlebt. Er starb Pfingsten 1963, also am Tag des Heiligen Geistes. Die Beschlüsse des von ihm einberufenen Konzils sind für die Erneuerung der Kirche bis heute wirksam.
Ob Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes weiterhin ein Fest bleiben wird mit dem wir uns schwertun, mit dem wir nicht viel anfangen können, das hängt auch von uns ab. Es ist ein Fest der Herausforderung und gleichzeitig ein Fest der Zuversicht, den die Kraft des Geistes Gottes ist nicht zu unterschätzen. Der gleiche Geist, der am Anfang der Schöpfung über den Wassern schwebte und das Weltall gestaltete, der gleiche Geist, der dem Menschen eingehaucht wurde und ihn so über das bloß Materielle hinaushob, der gleiche Geist ist auch uns geschenkt und möchte in uns wirksam werden, möchte uns erneuern und das Angesicht der Erde. Unsere Bereitschaft für diesen Geist ist die notwendige Voraussetzung für sein Wirksamwerden in uns. Es ist zu hoffen, dass das auch den vielen Firmlingen dieser Tage bewußt ist. Pfingsten, kein Fest, mit dem wir nichts anfangen können, Pfingsten auch kein Fest der Menschen, die sich in riesigen Autokolonnen in den Süden begeben, Pfingsten aber ein Fest für alle die, denen das Schicksal der Welt und der Menschen in ihr nicht gleichgültig ist und die den Mut haben, Gott für die Gestaltung seiner und unserer Welt ihre Mitarbeit anzubieten. Amen.

P. Paul Mühlberger SJ

Mittwoch, 9. Mai 2018
100518 Christi Himmelfahrt

100518
Mk 16, 15-20
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Christi Himmelfahrt ist ein beliebtes Motiv in der Malerei. Kein Wunder, ist doch der Himmelfahrtsbericht in der Apostelgeschichte selber eine Art Gemälde. Das typische Himmelfahrtsbild hat drei Teile, besser gesagt drei Ebenen. Oben wird das Ziel der Himmelfahrt gezeigt, der Himmel. Er wird durch Wolken angedeutet, sie sind nach der Heiligen Schrift das Zeichen der Gegenwart Gottes. Oft schweben in den Wolken Engel, und Gott Vater erwartet seinen auffahrenden Sohn. Die Bildmitte zeigt immer Jesus Christus, wie er aufwärts schwebt. Unten auf der Erde, Christus nachblickend, stehen die Apostel, bei ihnen die zwei Männer in weißen Gewändern, wie die Apostelgeschichte erzählt.
Auch wenn dieses Bild als Glaubensaussage, nicht als Bildreportage zu verstehen ist, eignet es sich gut für eine Betrachtung.
Stellen sie sich im Geist einmal die Hauptperson, den auffahrenden Christus vor: Wie sieht er aus? Vor allem: Was hat er in den Händen?
Ich habe einmal ein Reklamebild gesehen, ich weiß nicht mehr, wofür es geworben hat; es zeigte einen Mann, der durch die Luft segelt, nur einen Koffer in der Hand - eine lustige Darstellung! Gar nicht lustig, vielmehr bedrückend sind Bilder, die Menschen auf der Flucht zeigen; wir kennen sie aus den Jahren nach dem Krieg, wir kennen sie aus den Fernsehberichten über Zentralafrika. Menschen schleppen ihre letzten Habseligkeiten in einem Koffer mit sich oder ziehen sie auf einem Leiterwägelchen hinter sich her.
Was trägt Jesus mit sich, was nimmt er von dieser Erde mit zu seinem Vater im Himmel? Jesu Hände sind leer. Allenfalls hat ihm der Maler eine Fahne in die Hand gegeben, die der Betrachter unschwer als Symbol für seinen Sieg über den Tod zu deuten weiß.
Als Jesus diese Welt verläßt und zum Vater geht, da sind seine Hände leer. Aber nicht ganz leer. Noch immer sind in ihnen die Male der Nägel, die der Apostel Thomas berühren durfte. Jesus hat von allem, was er hier auf Erden sein Eigen nannte, nichts in die Ewigkeit mitgenommen außer seinen Wundmalen. Sie sind Zeichen seiner großen Liebe zu uns, „durch seine Wunden sind wir geheilt“.
Auch wir sind zu dieser Herrlichkeit gerufen, in die Christus uns vorausgegangen ist. So heißt es im heutigen Tagesgebet. Und auch für uns gilt: Von all dem, was wir hier auf Erden unser Eigen nennen, werden wir nichts in die Ewigkeit mitnehmen. All die Dinge, für die wir schuften und Geld ausgeben, werden wir einmal den lachenden Erben hinterlassen, fragt sich nur, ob sie darüber lachen oder eher den Kopf schütteln werden.
Nur das, was wir aus Liebe getan haben, werden wir in die Ewigkeit mitnehmen. Welch eine befreiende Botschaft, die Christi Himmelfahrt an uns richtet! Sie nimmt von uns den Druck, noch mehr leisten zu müssen, noch mehr haben zu wollen. Sie schenkt uns eine innere Gelassenheit und Heiterkeit des Herzens. Christus, in den Himmel auffahrend, mit leeren Händen, nur mit den Malen der Liebe gezeichnet: Dieses Bild lohnt in den Alltag mitgenommen zu werden.
Ich denke aber heute auch an den Satz von Bert Brecht, der einmal gesagt hat: „Über der Welt sind die Wolken; sie gehören zur Welt. Über den Wolken ist nichts.“ Mit diesem Wort wollte er betonen, dass es keine andere Welt gibt. Wenn die Menschen nach dem Tod nicht weiterleben können, dann sollen sie sich nicht auf das Jenseits vertrösten lassen. Diese Welt ist unser Auftrag; sie ist das Größte, was wir haben.
Tatsächlich hat auch Jesus unmittelbar vor seiner Himmelfahrt seine Apostel auf die Welt verwiesen: „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet der gesamten Schöpfung das Evangelium!“ Jesus hat keineswegs die Welt einfach übersprungen; er hat sie als Aufgabe gestellt. Die Jünger gerieten allerdings in ein äußerst schwieriges Dilemma: Auf der einen Seite standen sie vor dem riesigen Auftrag, der ganzen Welt die Botschaft Gottes zu bringen; auf der anderen Seite mußten sie erfahren, dass derjenige vor ihren Augen emporgehoben wurde, der ihr Garant und ihre Stütze war. Wie konnten sie nun diesen Auftrag erfüllen?
Auf diese Not der Apostel reagiert der Evangelist mit der Feststellung: „Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte ihr Wort durch die Zeichen, die er geschehen ließ“. Dieses letzte Wort des Markusevangeliums hat sicher großes Gewicht.
Als Jesus auf der Erde mit seinen Jüngern zusammenlebte, stand er ihnen in allen Fragen und Problemen bei. Er hat mit ihnen gesprochen, sie beraten, ermutigt, getröstet. Das war an diesem oder jenem Ort in Israel. Sein Wirken aber war immer örtlich begrenzt. Wenn er jetzt weggeht, hat das zur Folge, dass er von nun an überall in der Welt bei seinen Jüngern sein kann. So hat der Evangelist die Feststellung „der Herr stand ihnen bei“ für die Zukunft gesprochen - bis in unsere Tage. Dieses wichtige Wort hat Bedeutung für die ganze Kirche in allen Zeiten und an jedem Ort der Welt. Eine neue Form der Gegenwart wurde möglich, weil Christus in den Himmel aufgenommen wurde.
Der Evangelist schreibt: „Der Herr bekräftigte ihr Wort durch die Zeichen, die er geschehen ließ“. Viele Menschen sind für ihn in den Dienst gegangen; sie haben sein Wort verkündet, sein Denken und Wirken von Generation zu Generation weitergetragen. Zunächst beschreibt Jesus die Zeichen aus dem Verständnis seiner Zeit: Sie werden Dämonen austreiben, in anderen Sprachen reden, Schlangen können ihnen nichts antun, und tödliches Gift kann ihnen nicht schaden. Sie werden Kranken die Hände auflegen und sie gesundmachen. Aber wie ist das heute? Wo erleben wir solche Zeichen in unserer Umgebung?
Dämonenaustreibungen und Krankenheilungen haben heute ein anderes Gesicht. Ein Beispiel mag das verdeutlichen: Als der italienische Ministerpräsident Moro von den Roten Brigaden entführt und 1973 ermordet wurde, hat noch im gleichen Jahr seine Tochter die Mörder ihres Vaters im Gefängnis besucht. Sie wollte diesen Männern in ihrem Namen und im Namen ihrer Familie vergeben. Als persönliche Motive, den Mördern zu verzeihen, führte die Tochter von Moro an: „Erstens bin ich Christin, und für Christen stellt Verzeihung eine Notwendigkeit, nicht nur ein Gebot dar. Zweitens, an meiner Stelle wäre mein Vater ebenso hingegangen, um das zu tun, was man ein Werk der Barmherzigkeit nennt. Und drittens war mein Weg zu den Mördern meines Vaters auch ein tiefes persönliches Erlebnis für mich“.
Durch einen solchen Akt der Verzeihung werden Dämonen der Gewalt und der Rache ausgetrieben. Hier wird in einer anderen Sprache geredet, die die Welt nicht spricht und vielleicht nicht einmal versteht. Hier werden Schlangen der Bosheit angefaßt und ihr Gift unschädlich gemacht. Hier werden Menschen, die geistig, seelisch, politisch, menschlich krank sind, wieder geheilt. Das Versprechen Jesu an seine Apostel, das so unverständlich und unrealistisch klingt, ist in höchstem Maße aktuell und realisierbar.
Wer so sein christliches Leben versteht, hat sich nicht von dieser Welt abgewandt, sondern ihr ein menschliches Gesicht gegeben. Die Welt bleibt uns immer aufgegeben; aber sie ist nicht das Letzte. Das Fest von der Himmelfahrt Christi weist über unser irdisches Leben hinaus. Einer ist uns vorausgegangen und hat uns die Wohnung bereitet, die uns einmal aufnehmen soll. Und wenn wir Gott gefunden haben, dann werden wir seltsamer Weise auch die Erde wiederfinden, da Gott nichts so einfach verschwinden läßt, was er in Liebe geschaffen hat und wovon er selbst gesagt hat, es sei gut. Amen.

P.Paul Mühlberger SJ

Mittwoch, 9. Mai 2018
060518 6. So in der Otezeit

060518
6. Sonntag in der Osterzeit
Joh 15, 9-17
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Wir hören heute, kurz vor Christi Himmelfahrt, ein Evangelium aus den Abschiedsreden Jesu. Seine Worte haben – wie jedes letzte Vermächtnis – ein besonderes Gewicht; sie betreffen die Zukunft der Jünger. Dabei fällt der durchwegs positive Tenor der Worte Jesu auf. Für „Abschiedsreden“ ist das nicht selbstverständlich. Man stelle sich ein besorgte, liebende Mutter vor, die sich von ihrem Sohn verabschiedet: wie sie alle möglichen Gefahren an die Wand malt und davor warnt und welche Mahnungen sie ihrem Sohn mit auf den Weg gibt! Anders Jesus; schauen wir einmal auf einige zentrale Aussagen.
Zunächst sichert Jesus seinen Jüngern seine Liebe zu. „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe ich auch euch geliebt.“ Diese Aussage müssten wir uns einmal auf der Zunge zergehen lassen. Dann würden so mancher Pessimismus und manche Hoffnungslosigkeit schwinden. Und in dieser Liebe sollen wir bleiben. Ist das eigentlich so schwer? Ja und nein. Denn in der Liebe Gottes bleiben bedeutet nicht ein still halten und abwarten. Wir müssen nur einmal darauf achten, wie sich die Liebe Gottes in Jesus gezeigt hat. Wenn wir den Einsatz Jesu für die Botschaft seines Vaters beachten, dann können wir uns nicht mehr bequem zurücklehnen, dann sind auch wir zum Handeln aufgerufen. Und worin besteht unsere Tätigkeit? „Wenn ihr meine Gebote haltet, werden ihr in meiner Liebe bleiben". Und nun können wir sie alle einmal durchgehen, jene 10 Gebote, die Moses im Auftrag Gottes am Sinai den Israeliten gegeben hat, jene grundlegenden 10 Punkte, die menschliches Leben in seiner ganzen Fülle garantieren, unser Verhalten gegenüber Gott, den Menschen und den Dingen.
Es wäre zu kurz gesehen und sogar ein Missverständnis immer nur das „du sollst“ und „du sollst nicht“ zu sehen, so wie es ein Autofahrer tun würde, der sich über die Leitplanken ärgert, die seine Straße begrenzen. Die Gebote sind keineswegs Einengungen, sie stellen vielmehr eine Aufgabe dar. Und wenn seinerzeit die Israeliten aus den 10 Geboten 365 Vorschriften gemacht haben, so erhebt sich die Frage: steckt hinter dem Flechtwerk menschlicher Auslegungen auch wirklich noch die Liebe. Um die geht es ja schlussendlich. Sagt doch der Kirchenlehrer Augustinus: „Liebe und dann tue, was tue willst.“ Dieser Satz klingt zunächst gefährlich, meint aber schließlich genau das, was Jesus gemeint hat.
Im Rahmen der 10 Gebote, im Rahmen der Liebe sollen wir nun tätig werden, Frucht bringen, wie es im Evangelium heißt. Tätig werden in unserer Welt, unter den Menschen und somit auch vor Gott, indem wir seinen Plan mit seiner Schöpfung mehr und mehr Gestalt werden lassen.
Die Welt braucht uns. Ihre Schreie sind nicht zu überhören. Die Zeichen der Zeit, vermögen wir sie noch zu deuten? Können wir sie überhaupt noch lesen? Wir leben in einem Klimawechsel. Scheinbar braut sich was zusammen. Stehen die Zeichen auf Sturm? Lange Zeit haben wir gedacht: es geht alles so weiter. Die Sonne scheint, die Wirtschaft läuft, der Rubel rollte und auch der Euro. Und auf einmal müssen wir feststellen: die Nadeln rieseln, die Blätter fallen und das nicht nur im Herbst. Wir stehen im Regen, im sauren Regen. Just in dem Moment, wo wir denken die Bäume wachsen in den Himmel, beginnen sie zu sterben.
Die Armut und Not vieler Menschen schreit zu Himmel; aber scheinbar haben viele Menschen keine Antenne mehr für diese Signale. Sie schreit zum Himmel; aber sie verödet vor dem Fernseher. Die Armut wächst und zugleich der Luxus. Die Starken werden stärker und die Schwachen schwächer. Das treibt unsere Gesellschaft auseinander. Und die Politiker lähmen sich gegenseitig.
Dann das große Schlagwort von heute: „Entertainment“, Unterhaltung. Talk-Shows am laufenden Band. Die Unterhaltungsindustrie läuft auf Hochtouren. So flach wie möglich, ja nicht in die Tiefe gehen. Die Vermüllung belastet nicht nur unsere Umwelt, sondern auch Hirne und Herzen. Neil Postman hat den Satz geschrieben: „Wir amüsieren uns zu Tote.“ Es ist chic, Positionen zu vertreten, wie jemand Staubsauger oder Spülmaschinen vertritt, ohne dass das Herz dabei eine Rolle spielt, geschweige denn das Leben. Wir verlernen jene Entschiedenheit, mit der man eben nur so und nicht auch anders denkt und handelt. Was ist noch heilig? Fast alles ist käuflich!
Sie könnten jetzt einwenden: Was soll das alles in einer Predigt? Aber gerade diese aufgezählten Punkte sind die Herausforderungen, denen wir uns als Christen stellen müssen. Man hört manchmal den Vorwurf: Die Kirche ist zu politisch, sie soll sich nicht in Dinge einmischen, die sie nichts angehen. Und doch geht es uns was an. Die Schöpfung geht uns an, die Menschen gehen uns an, so wahr es uns um Gott geht. Wir können doch nicht einfach nur unser frommes Schäfchen ins Trockene bringen wollen und dabei tatenlos mit ansehen, wie unsere Gesellschaft immer weiter auseinandertreibt und wie das Christentum für viele Menschen zur Staffage wird und die christlichen Kirchen zu Museen.
Offensichtlich verliert ja der Glaube zusehends an Boden. Viele stellen das genüsslich fest und denken: Jetzt sprießen in dem entstehenden Vakuum Aufklärung und Humanität nur so aus dem Boden. Weit gefehlt! Desorientierung und Aberglaube breiten sich aus. Und an die Stelle des Glaubens an den menschenfreundlichen Gott ist längst die gnadenlose „Religion des Marktes“ getreten. In ihrem Bann bringen wir uns bei, dass die Ellenbogen wichtiger sind als das Herz. Längst ist die Seele an den Markt verkauft, und wir wundern uns, dass das soziale Klima frostig geworden ist und viele frieren und erfrieren. Geld zählt mehr als Glaubensüberzeugung, als Aufrichtigkeit; und da wundern wir uns über Korruption und Gewalttätigkeit – schon bei Kindern und Jugendlichen: Wir werden uns noch viel mehr wundern. Wir können Gesetze schaffen und härter anwenden, soviel wir wollen: Es wird sich wenig ändern, wenn die notwendigen Voraussetzungen in unseren Köpfen und Herzen ausbleiben. Die Krise in Umwelt und Gesellschaft ist eine Krise des Menschen. Er hat leider vielfach vergessen, wer Herr der Schöpfung ist.
Haben wir, haben sie und ich, in dieser Situation überhaupt noch Chancen? Sicherlich. Aber nicht wir allein und auch nicht aus unserer eigenen Kraft. Aber es sollte uns deutlich werden, welche verändernden Kräfte in uns stecken, wenn Gott hinter uns steht. Jesu Lehre hat immerhin die Welt verändert, wenn auch nicht immer verbessert. Jesus hat vielmehr den Keim, den Samen zur Weltveränderung in unsere Hände gelegt. Haben wir vielleicht schon zu lange aufs Eis gelegt, konserviert? Oder haben wir ihn auf den falschen Acker gesät oder warten wir bis ein anderer für uns die Initiative ergreift. Der Geist Christi um den wir in diesen Tagen immer wieder beten, ist nicht von gestern, er ist heute wirksam. Wo der Geist Jesu lebendig ist, da herrscht ein anderes Klima, da ist man wach füreinander. Da haben Fremde Platz an unseren Tischen. Da kommen all die in den Blick, die sonst hinten herunterfallen. Wo der Geist Jesu herrscht, da dürfen Gebeugte sich wiederaufrichten und aufatmen, da finden Schuldige Vergebung. Wo der Geist Christi herrscht, da wird die Welt nicht schöngeredet, da wächst Zivilcourage zum klaren Wort gegen das Verdrängen des sozialen Unrechts, gegen Politikverdrossenheit und kulturelle Belanglosigkeit.
Wir müssen uns nicht verstecken. Wir dürfen uns gar nicht verstecken. Wir können uns sehen lassen. Wir können in aller Öffentlichkeit bekunden, wes Geistes Kinder wir sind. Wir sollten Schluss machen mit jeder Art von Selbstmitleid und sollten unsere Kräfte nicht internen Reiberein vergeuden. Wir sollen, um mit den Worten des Paulus zu sprechen, den „Geist nicht auslöschen“.
Ja, da müsste doch Freude aufkommen, dass Gott in uns so große Stücke setzt, da müsste doch Freude aufkommen, auch angesichts der nicht immer erfreulichen Entwicklung in unserer Welt. Und die Freude ist berechtigt, den Hoffnungslosigkeit und Missmut und Resignation sind nie Zeichen eines echten christlichen Geistes gewesen. Amen.

P. Paul Mühlberger SJ

Samstag, 28. April 2018
290418 5. So in der Osterzeit

290418
5. Sonntag in der Osterzeit
1 Joh 3,18-24
Joh 15, 1-8
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Es war während einer Bibelrunde, wo genau dieser Text betrachtet wurde, den wir soeben gehört haben. In diesem Text sollte darauf hingearbeitet werden, die lebensvolle Beziehung eines Christen zu Jesus zum Ausdruck zu bringen. Überraschenderweise aber blieben die meisten Leute an der Drohung mit dem Feuer hängen. Für sie war das Bild vom Verbrennen der dürren Rebzweige stärker als der Impuls des lebenspendenden Weinstocks.
Damit sind wir auf eine Seite des Christenseins gestoßen, die wir in unserer Zeit häufig verdrängen. Was die Höllenprediger in vergangenen Zeiten zu viel des Guten getan haben, ist heute in den Hintergrund getreten. Vielleicht liegt es auch an den Mitteln, mit denen in früheren Zeiten die Möglichkeit des Scheiterns besprochen worden ist. Ich lehne es ab, mit Angstmacherei zu arbeiten. Dafür ist mir die Botschaft vom guten Gott zu schade. Das Feuer des Bildwortes vom Weinstock ist nicht das Höllenfeuer, nicht der Feuersee, in dem die unsterblichen Seelen ewige Qualen leiden. Es ist schlicht das Feldfeuer, in dem nutzlose Abfälle beseitigt werden. In der vorliegenden Schriftstelle geht es sicherlich nicht um die Spekulation mit Bildern von Brandwunden und sadistischen Quälereien mit dem Feuer. Es stellt anschaulich die Möglichkeit der Sinnlosigkeit und Nutzlosigkeit vor Augen, die einen jeden Menschen überfallen kann, wenn er Bilanz seines Lebens zieht.
Ich frage mich immer öfter, ob uns Christen die Dringlichkeit und die Notwendigkeit des Fruchtbringens hinreichend bewußt ist. An den Früchten, die wir bringen, wird unser Leben einmal bemessen werden. Dabei stehen auch wir unter einem gewissen Erfolgsdruck. Die Forderung Frucht zu bringen gilt aber nicht nur dem einzelnen im Sinne von „Rette deine Seele“, dem früheren Leitgedanken der Volksmissionen, sie gilt der Kirche als ganzer und auch jeder einzelnen Gemeinde.
Es wäre einseitig und zu kurz gegriffen, wollten wir das Bildwort vom Weinstock und den Rebzweigen, von der Aufforderung in inniger Verbindung mit Christus zu bleiben, einfach individuell persönlich zu verstehen im Sinne: Siehe zu, dass du mit Jesus Christus in Kontakt bleibst, dass deine mystische Gemeinschaft mit ihm nicht verkümmert oder verloren geht. Dies ist nur eine Dimension dieser Jesusrede. Die meines Erachtens noch wichtigere wird erst sichtbar, wenn wir uns den Bezug zum Alten Testament vergegenwärtigen. Das Bild vom Weinstock ist nicht neu. Die Propheten vergleichen Israel mit einem Weinberg oder Weinstock. Gott ist der Winzer. Sein Volk bringt nicht die erwarteten Früchte.
Wenn nun Christus von sich sagt: „Ich bin der wahre Weinstock“, so erhebt er damit den Anspruch, dass er der Wurzelstock eines neuen Gottesvolkes ist. Die Jünger, die mit ihm in lebendiger Verbindung bleiben, bringen die ersehnten Früchte. Er und seine Jünger sind der neue Weinstock Gottes. Gott ist der Winzer. Er pflegt seinen Weinstock, reinigt ihn, schneidet ab, was dürr und nutzlos ist.
Es geht hier wirklich einmal darum, dass wir uns ernstlich fragen, wie unsere Verbindung mit Jesus beschaffen ist. Es fällt ja immerhin auf, dass in unserem Text das Wort „bleiben“ nicht weniger als neunmal verwendet wird. Wenn Jesus dieses Wort so betont, will er sicher etwas unterstreichen. Zunächst verwendet er das Wort in einem Beispiel. Eine Rebe kann nur Frucht bringen, wenn sie am Weinstock bleibt. Ohne diese Verbindung würde die Rebe verdorren und absterben. Dann überträgt Jesus das Bild auf die Verbindung seiner Freunde zu ihm selber. Auch die Anhänger Jesu können nur Frucht bringen, wenn sie den Zusammenhalt mit ihrem Meister nicht verlieren.
Jesus beschreibt diese Verbindung noch genauer. Er sagt, dass es seine Worte sind, die in seinen Jüngern bleiben sollen. Ein Wort, das man hört, kann sein wie ein Windhauch. Es wird gesprochen und verweht, ohne dass es Eingang findet in den Hörer. Ein Wort kann sein wie ein Hammerschlag, der einen bleibenden Eindruck schafft, ein Wort kann sein wie ein Wunder, welches das Leben eines Menschen nachhaltig verändert. Ein Wort kann ein Vermächtnis sein, das in einem Menschen weiterlebt und wirkt. Wenn das, was er gesprochen hat, in seinen Jüngern fortbesteht, lebt und wirkt er selber in ihnen.
Man liebt heute in vielerlei Angeboten das englische Wort „light“, was „leicht“ bedeutet. Das Wort hört man auch manchesmal in einem religiösen Zusammenhang. Im Klartext heißt das: es besteht der Trend zu einer christlichen Bequemlichkeit. Wir lieben die Harmonie. Gott ist gut, sagen wir. Beim Lied vom „Strengen Richter aller Sünder“ singen wir nicht mehr mit. Beichten waren wir schon lange nicht mehr. Wir glauben nicht mehr, dass man alle Gebote so ernst nehmen müssen, auch nicht die Vorschriften der Kirche. Im „Zustand der Todsünde leben“ – nicht einmal den Begriff kennen wir noch. Dass man vor der Ehe schon jahrelang zusammenlebt und dass das nicht in Ordnung ist, können wir uns nicht mehr vorstellen. Gott hat wohl andere Sorgen. Statt Droh-Botschaft: Froh-Botschaft. In der Bibel überschlagen wir die unangenehmen Stellen oder interpretieren sie nach unserem Geschmack. Glaube light! Heißt die Parole. In der Gemeinde gehen wir lieb miteinander um. Nur keine Konflikte. Alles möglichst harmonisch. In der Gestaltung des Gottesdienstes suchen wir krampfhaft nach immer neuen Gags und nach Action, um die Einschaltquoten zu verbessern.
Wer gibt schon zu, dass es bei alldem langweilig geworden ist in der Kirche. Was saftig ist und vital, was spannend ist und starke Gefühle auslöst, was kreativ ist und kritisch, das ist bei uns nicht gefragt. Stattdessen gibt es eine Inflation von Wörtern, von Worthülsen und frommen Phrasen. Und viel bedrucktes Papier. Und das Schlimmste daran: Das alles ist folgenlos. Folgenlos deshalb, weil das Wesentliche nicht mehr betrachtet wird. Es geht in unserer Messfeier z.B. nicht um einen Unterhaltungseffekt, es geht nicht um eine Show oder wie man jetzt sagt um einen Event. Man kann ja leider auch mit unklug gewählten Gestaltungsbeigaben die Sache selbst verwässern.
Doch genug damit. Ich habe wieder einmal das Gefühl, ich habe den falschen Leuten gepredigt. Diejenigen, denen ich das sagen wollte, sind leider nicht hier, sind abwesend, nicht nur in dieser Kirche, sondern überhaupt in den Kirchen. Die denen ich das sagen wollte sitzen schon längst in ihrem Auto und fahren ins Grüne oder schlafen sich einmal aus. Die, denen ich das sagen wollte, würden sich vielleicht die Ohren zuhalten, weil sie die Dinge gar nicht hören wollen. Die, denen ich das sagen wollte, wollen keine Rebe sein und kümmern sich auch nicht um den Weinstock und ans Früchte bringen denken sie nicht. Sie machen es sich leicht, denn die Höllenbilder von Breughel und Bosch sind für sie nur Kunst und religiöse Phantasie und Dante „Göttliche Komödie“ erfüllt sie nicht mehr mit Schaudern.
Wenn ich etwas über mich sagen soll? Ich habe keine Angst vor Gott und ich habe auch keine Angst vor dem Teufel, weil ich in der Freundschaft mit Gott lebe. Aber ich habe immer ein wenig Angst vor mir selbst, weil ich zurückblickend sagen kann, dass mein Fruchtbringen nicht so gewaltig war. Oder war es das doch – bei jedem von uns? Haben wir nicht doch in unserem Leben gute Früchte gebracht und es ist uns verborgen. Welchen Einfluß hatte unser Gebet in unserer Welt und bei unseren Mitmenschen? Wie viele unsere Opfer, Mühen und Nöte haben Segen gebracht für die Menschen? Sehen sie, wenn ich daran denken, dann schwindet die Angst dahin- die Angst vor mir selbst – denn ich weiß: mein bescheidener Kontakt mit dem Weinstock hat in mir doch bewirkt, dass ich Früchte hervorbrachte. Es war nichts in meinem Leben umsonst und nichts sinnlos, weil mein Leben immer in Zusammenhang mit dem Erlöser gewesen ist.
Man soll und kann heute nicht mehr einem Menschen mit einer Höllenpredigt Angst machen. Aber es ist gut, wenn wir uns Menschen immer wieder erinnern an unsere Verantwortung, denn auch der Satz gehört zur Frohen Botschaft, wo es heißt: „Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.“
Mit welchem Recht könnten wir gerade diesen Satz aus dem Evangelium ausstreichen? Amen.


Du mein Gott,
von Dir sich entfernen heißt fallen,
zu Dir zurückkehren heißt sich erheben,
in Dir bleiben heißt auf sicheren Grund bauen.

Weggehen von Dir heißt sterben,
zurückkehren zu Dir heißt auferstehen,
wohnen in Dir heißt leben.

Keiner verliert Dich, ohne getäuscht zu sein,
keiner sucht Dich, ohne gerufen zu sein,
keiner findet Dich, ohne gereinigt zu sein.

Dich verlassen heißt verlorengehen,
Dich suchen heißt Dich lieben,
Dich sehen heißt Dich besitzen.

Der Glaube drängt uns zu Dir,
die Hoffnung führt uns hin zu Dir,
die Liebe vereinigt uns mit Dir. Amen.

Augustinus


P. Paul Mühlberger SJ

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